Burg-Geschäftsführer Königstorfer: Sparpläne

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Interview
03/06/2014

Burgtheater: "Lage ist alles andere als einfach"

Burg-Geschäftsführer Thomas Königstorfer spricht erstmals über Finanzkrise und Sparpläne

von Guido Tartarotti

Am 1. September folgte Königstorfer als Geschäftsführer auf die jetzt im Kreuzfeuer der Kritik stehende Silvia Stantejsky. Dem Burgtheater drohen mehr als acht Millionen Euro Verlust und weitere fünf Millionen Steuernachzahlung.

KURIER: Wie ist die Lage?

Thomas Königstorfer: Die Zahlen sind ja bekannt, auch wenn sie verzerrt interpretiert werden. Ein Bilanzverlust bedeutet ja nicht, dass alleine im Vorjahr acht Millionen Euro zu viel ausgegeben worden wären! Die Situation ist alles andere als einfach. In der Bewältigung der Dinge aus der Vergangenheit ist sie sehr ernst. Und was die Zukunft betrifft, ist sie das, was man landläufig als große Herausforderung bezeichnen würde. Wobei ich guter Dinge bin, dass wir das gut bewältigen werden.

Mit welchen Maßnahmen?

Was die Vergangenheit betrifft: Wir wollen nicht über Jahre hinweg etwas abstottern, sondern aus dem Besitz des Burgtheaters heraus die Probleme lösen. Konkretes Beispiel: die Probenbühne im Arsenal. Wir wollen durch einen Verkauf Liquidität generieren. Das ist das Thema des Schuldenabbaus. Was die Zukunft betrifft: Wie gehen wir mit der Schere um, die sich auftut – steigende Ausgaben einerseits, die Mittel die uns zur Verfügung stehen, andererseits? Da geht es um ein Bündel von 50, 100 Einzelmaßnahmen, wie wir versuchen, unser Ergebnis zu verbessern.

Wie sieht das konkret aus?

Wir sind dabei, unser Budget sozusagen von der grünen Wiese weg neu aufzusetzen und dabei jeden Euro zu hinterfragen. Wir sehen uns einerseits genau die kommenden Produktionen an, und schauen auf der anderen Seite im Sachaufwands-Bereich, gibt es Dinge, die wir nicht mehr brauchen. Ich nenne nur ein Beispiel: Es gibt in der Turnergasse im 15. Bezirk eine Probenbühne, die zusätzlich zu der im Arsenal angemietet ist. Und die Auslastung dieser Bühne ist denkbar gering. Das ist ein Mosaikstein für 60.000 Euro. Wenn wir zehn solcher Mosaiksteinchen finden, sind wir bei 600.000 Euro, wenn wir 50 finden, sind wir bei drei Millionen. Das ist eine Dimension, wo wir hinmüssen, um im kommenden Jahr ausgeglichen zu fahren.

Wem verkauft man eine Probebühne?

Es gibt zwei potenzielle Partner: Einerseits die "Art for Art" (die Theaterservice GmbH der Bundestheater; Anm.), sie ist Eigentümerin der Probebühne der Staatsoper, es wäre schlüssig, würde sie auch Eigentümerin der Burgtheater-Probebühne. Zweite Möglichkeit: Ein privates Immobilienkonsortium hat rund um das Arsenal Immobilien erworben, mit denen reden wir über Synergieeffekte.

Wird es Personalabbau geben?

Das Wort "Abbau" soll man nicht in den Mund nehmen, wenn man von den Menschen spricht, die hier arbeiten. Aber wir stellen uns zum Beispiel die Frage: Wie viele Assistenten hat das deutsche Schauspielhaus, wie viele das "Resi" in München, wie viele brauchen wir? Eine andere Frage: Muss jede Position nachbesetzt werden?

Könnte eine Spielstätte aufgeben werden?

Es gibt Fragen zum Kasino, denen wir uns konkret stellen müssen. Aber da ist noch keine Entscheidung gefallen. Es geht um eine Heimstätte für experimentelles Theater – aber auch um die Frage der Kosten. Und darum, dass das Kasino auch eine Entlastung in der Schuldensituation bringen kann.

Wie ist Ihre Zusammenarbeit mit Matthias Hartmann?

Er ist sehr intensiv in die Dinge eingebunden, über die wir gerade reden.

Es wurde viel geschrieben über die chaotische Buchführung Ihrer Vorgängerin. Was haben Sie vorgefunden, als Sie Ihren Posten am 1. September antraten?

Es steht mir nicht zu, Wertung über meine Vorgängerin abzugeben. Es war aber doch erstaunlich, dass es unmöglich war, auf viele Dinge Antworten zu bekommen. Die Frage etwa, wie viel Geld wurde für Assistenten ausgegeben, dauerte bei großem Einsatz vieler Personen eine ganze Woche. Das bedeutet nicht, dass etwas illegal war. Aber es bedeutet, dass man auf vielen Kostenstellen nachschauen muss, Papierbelege aus dem Keller ausheben muss, um Fragen beantworten zu können.

Wie ist die Stimmung im Haus?

Man muss sehr aufpassen, nicht den Stab über Menschen zu brechen, die hier arbeiten. Das betrifft Direktor Matthias Hartmann genauso, wie einen Mitarbeiter, der sich vielleicht im Forensik-Bericht wiederfindet. Das Haus fühlt sich derzeit einer Pauschalkriminalisierung ausgesetzt. Ich hatte gestern zwei Gespräche mit Mitarbeitern, die mir mit Tränen in den Augen erzählt haben, dass ihre Kinder in der Schule gehänselt werden. Ich erlebe Matthias Hartmann als jemanden, der mit vollen Kräften daran arbeitet, dass das Burgtheater in eine wirtschaftlich ausgewogene Zukunft geht. Wichtig ist uns die Transparenz: Nichts verstecken, offen über alles reden. Es gibt Menschen von außerhalb, die sich mit der Vergangenheit beschäftigen – und wir im Haus dürfen uns mit der Zukunft befassen. Das ist eine gute Aufgabenteilung.

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