Kusej nimmt Produktionen aus dem Residenztheater mit

© APA - Austria Presse Agentur

Kultur
06/09/2020

Burgtheater: Der Herr Direktor engagiert seine Partnerin

Trenklers Tratsch. Wiener Tradition: Direktor Kušej hat freie Hand und alle Freiheiten.

von Thomas Trenkler

Es gibt ein paar Personalia aus dem Burgtheater zu vermelden. Zum Beispiel: Till Firit, mit dem neuen Direktor Martin Kušej im Herbst 2019 vom Residenztheater München nach Wien gewechselt, verlässt das Ensemble. Öfter als ein dutzend Mal wird man ihn in der vergangenen Saison nicht auf der Bühne gesehen haben: nur in Kušejs „Der nackte Wahnsinn“, einer für Wien adaptierten Resi-Produktion, und in Kušejs „Hermannsschlacht“. Firit spielt nun den Kommissar Rainer Witt in der ARD-Fernsehserie „Der Usedom Krimi“.

Neu im Ensemble hingegen ist der Vorarlberger Lukas Haas. Er hat das Reinhardt-Seminar abgeschlossen – und spielte bereits in Kušejs „Hermannsschlacht“ mit.

Neu im Ensemble ist nun auch Sophie von Kessel, 2008 und 2009 die Buhlschaft des Salzburger Jedermanns und zuletzt am Resi verpflichtet. Die Diplomatentochter, 1968 in Mexiko geboren, spielte an der Burg in Kušejs „Der nackte Wahnsinn“ als Gast mit. Premiere war zu Silvester.

Die Pikanterie: Kušej hat seine Lebenspartnerin verpflichtet.

Er setzt damit die Wiener Tradition vom Abhängigkeitsverhältnis „Direktor – Schauspielerin“ fort. Gustav Manker und Hilde Sochor bzw. Michael Schottenberg und Maria Bill am Volkstheater, Herbert Föttinger und Sandra Cervik in der Josefstadt. Auch Matthias Hartmann bekannte sich zum Familybusiness: Er übertrug 2009 als Burgtheaterdirektor seiner Schwester Annette Raffalt die Leitung der „Jungen Burg“.

Der KURIER bat Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer um ein Statement. Sie findet nichts dabei, dass Kušej seine Lebenspartnerin engagiert. Denn sie antwortet: „In der Zusammenstellung eines Ensembles haben die künstlerischen Leitungen eines Theaters freie Hand.“

Erstaunlich gelassen reagiert Mayer auch auf den Umstand, dass Kušej kein Interesse zeigt, analoges Theater zu machen – obwohl seit 29. Mai Vorstellungen mit bis zu 100 Zuschauern möglich sind: „Die Erstellung der Spielpläne liegt allein in der Verantwortung der Häuser.“ Und: „Die künstlerische Freiheit muss gewahrt bleiben.“

Kulturauftrag? Gibt es anscheinend keinen mehr.

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