Hartmann statt Hartmann?

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Foto: APA Martin Kušej ist bis 2016 an München gebunden, Thomas Oberender leitet die Berliner Festspiele, Sven-Eric Bechtolf ist bis 2016 in Salzburg Chef, Karin Beier ist erst 2013 in Hamburg angetreten (v. li.)

Kommende Woche soll die provisorische Leitung stehen.


Das Burgtheater ist führungslos – und kaum wurde Burgchef Matthias Hartmann entlassen, dreht sich auch schon das Namenskarussell für seine Nachfolge.

Kein Wunder, es ist Eile geboten: Die Planung der kommenden Saisonen ist akut fertigzustellen, auch die Folgesaisonen haben Vorlaufzeiten. Bis zur nächsten Aufsichtsratssitzung am 19. März will Kulturminister Josef Ostermayer eine interimistische Leitung benennen können, die für die Aufarbeitung der Affäre und das Stellen der "Weichen in Richtung Zukunft" verantwortlich ist.

Als Option kursiert dafür etwa Frank Baumbauer, erfolgreicher ehemaliger Intendant u. a. der Münchner Kammerspiele und Ex-Schauspielchef der Salzburger Festspiele.

Und "unverzüglich" soll die künftige künstlerische Leitung des Hauses ausgeschrieben werden. Was ungünstig ist: Denn die wenigen Kandidaten, die für das Burgtheater infrage kommen, sind zu einem guten Teil in langfristigen Verträgen gebunden. Ein Name liegt dabei auf der Hand, auch wenn die Vorgeschichte alles andere als vielversprechend war:

Der Österreicher Martin Kušej galt als schärfster Konkurrent Hartmanns bei dessen Ernennung 2006. Doch mit ihm – für viele Favorit, nicht zuletzt wegen seiner Herkunft – wurde damals von offizieller Seite nicht einmal gesprochen, woraufhin er sich empörte und nach München ging. Am dortigen Schauspielhaus ist er bis 2016 vertraglich gebunden.

Salzburg-Wien

Ebenfalls bis 2016 ist Regisseur Sven-Eric Bechtolf gebunden: Der bisherige Schauspielchef der Salzburger Festspiele leitet diese nun interimistisch bis zur Übernahme durch Markus Hinterhäuser. Ebenfalls ehemaliger Schauspielchef in Salzburg ist Thomas Oberender, er ist seit 2012 Chef der Berliner Festspiele und dort noch eine Weile gebunden.

Denkbar ist auch, dass der Nachfolger Hartmanns Hartmann heißt, Sebastian nämlich, der im Streit aus Leipzig schied und im Burgtheater als Regisseur auch so manchen Misserfolg einstreifte.

Vielleicht ist nun aber auch erstmals eine Direktorin für das Burgtheater denkbar. Barbara Frey folgte Hartmann am Schauspielhaus Zürich nach, ihr Vertrag dort wurde bis 2016 verlängert. Karin Beier, in Nachbesetzungsfragen oft hoch gehandelt, hat erst 2013 am Schauspielhaus Hamburg die Leitung übernommen.

Auch auf bewährte Intendanten könnte ein Auge geworfen werden: Luc Bondy etwa, Ex-Chef der Wiener Festwochen, oder auch Claus Peymann, der noch bis 2016 am Berliner Ensemble ist, aber eigentlich keinen Job mehr annehmen wollte. Und keine Nachbesetzung in der Burg kommt ohne den Namen Klaus Maria Brandauer aus. Dieser hatte einen derartigen Schritte mehrfach ausgeschlossen.

(kurier) Erstellt am
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