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Literatur
03/23/2021

Stephen King: Wenn man Tote sieht und sich damit abfindet

Der Horror im relativ kurzen Roman „Später“ hat wieder ein seltsames Kind in der Hauptrolle

von Peter Pisa

Im Stiegenhaus steht ein Bub, Jamie, acht ist er, mit seiner Mutter und dem Nachbar. Der Nachbar weint. Seine Frau ist in der Nacht gestorben. Schlaganfall.

Die Tote, steht daneben. Sie gibt ihrem Mann einen Kuss auf die Wange (er kratzt sich), und zu Jamie, der eine Zeichnung von einem grünen Truthahn in der Hand hält, sagt sie streng: „Rembrandt wirst du keiner.“

Jamie kann die Toten sehen, etwa eine Woche lang sind sie für ihn sichtbar. Er kann mit ihnen reden, ihre Stimmen werden langsam unverständlich, dann verschwinden die Toten.

Er hat das akzeptiert. Ist halt so. Was bleibt ihm anderes übrig, wenn Stephen King es so haben will.

King mag Kinder als Romanfiguren: „Sie haben eine magische Qualität, weil sie nicht zynisch sind und nicht weltmüde.“

„Später“ heißt sein neuer Horror, mit nur 300 Seiten hat er ihn erstaunlich straff angelegt. Der Platz reicht für mehrere kleine Sprengsätze, die er hintereinander zündet. Immer hält er sich dabei an Alfred Hitchcock:

„Wenn eine Bombe explodiert, hat jeder Zuschauer eine Sekunde Entsetzen. Aber wenn das Publikum die Bombe unter dem Tisch sieht, werden sie fünf Minuten Angst haben und sich fragen, wann sie explodiert …“

Leuchtend

Jamies Mutter ist zunächst die Einzige, die von dieser – Gabe? diesem Fluch? weiß.

Nicht alle Toten sind freundlich. Jamie wird verfolgt. Dagegen ist der zweite Horror alltäglich: Die Toten können nämlich nicht lügen. Jamie wird deshalb gebraucht/missbraucht.

Seiner Mutter hilft er gern. Sie ist Literaturagentin, und ihr bester Kunde stirbt, bevor er seine Erfolgsserie beenden konnte.

„Das Geheimnis von Roanoke“ hat erst 30 Seiten. Jamie wird sich vom toten Schriftsteller erzählen lassen, wie’s weitergeht, seine Mutter wird das Manuskript vollenden – und erstmals werden Kritiker später lobend über den Stil schreiben.

Hier zeigt Stephen King Humor. Seite 48 (es erzählt immer der um 20 Jahre älter gewordene Jamie):

„Meine Mutter hat immer gesagt, die meisten Schriftsteller wären so merkwürdig wie ein im Dunkeln leuchtender Kackhaufen.“

Was man auch in „Später“ merkt: Gegen Ende verliert Stephen King oft die Lust an seinem Roman.

Das kann bei Buchbesprechungen auch passieren.


Stephen King:             
„Später“
Übersetzt von
Bernard
Kleinschmidt.
Heyne Verlag.
304 Seiten.
22,70 Euro

KURIER-Wertung: ****

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