© Yuto Kudo

Literatur
08/22/2020

Japanischer Bestseller: Lieber Bauchfleisch als Spermien

"Brüste und Eier" heißt der Roman von Mieko Kawakami, die zum Idol junger Japanerinnen wurde

von Peter Pisa

Haruki Murakami, der bekannteste Schaumschläger Japans, schreibt gern über Männer, die von Frauen betrogen oder stehengelassen werden bzw. sich nicht entscheiden können zwischen zwei Frauen ... jedenfalls ist es eine Männerwelt mit weiblichen Komparsen, wenn’s Probleme gibt, no, dann hören die armen Männer Jazz.

Manchmal gab es wegen eines solchen Rollenbildes, das Japans Traditionalisten sehr schätzen, Kritik.

Auch von Mieko Kawakami (Foto oben). Doch schränkte die Schriftstellerin und Sängerin ein:

Immerhin seien in Murakamis Büchern die Frauen ... Menschen.

Eklig

Die 43-jährige ist zum feministischen Idol geworden, der aktuelle Roman „Brüste und Eier“ wurde in ihrem Land mehr als 250.000 Mal verkauft, vorwiegend an jüngere Frauen, die auf diesen immer noch geltenden japanischen Code pfeifen:

Es hat für eine Frau demütigend zu sein, wenn sie nicht begehrt wird.

Das empfindet Natsuko Natsume ganz und gar nicht. Sie ist die Erzählerin, etwa 30 Jahre alt im ersten Teil, etwa 40 im zweiten Teil.

Sie wird Single bleiben.

Natsuko hatte Sex, früher einmal, aber sie findet die Vorstellung, sich auszuziehen, die Beine breit zu machen und sich penetrieren lassen – eklig.

(Sofort meldeten sich in Japan Kritiker zu Wort, Männer, die den Roman daraufhin „widerlich“ fanden.)

Viel geschieht nicht in dem Buch. Aber in vielen Dialogen wird vermittelt: Frau darf den eigenen Weg gehen. Sie ist okay, er ist manchmal auch okay.

Unschlagbar

Natsuko bekommt Besuch ihrer älteren Schwester, die sich in Tokio ihre Brüste vergrößern lassen will. Das gibt Gelegenheit über die Schönheit nachzudenken, die ein Tyrann sein kann. Die Tochter der Schwester beklagt im Tagebuch: Mutter lamentiert dauernd, weil ihre Brüste durch Geburt und Stillen gelitten haben – die Schuld der Tochter???

Und eine Samenspende überlegt Natsuko. Bei einer dänischen Firma kann sie Augen- und Haarfarbe des Spenders auswählen. „Die Ware“ kommt per Post, kostet umgerechnet 1600 Euro.

Sie wird auch einen Profi-Samenspender aus Japan treffen. Mit Warze. Der tut dem Buch, das mit fast 500 Seiten an die Grenze geht, sehr gut.

So ein Mann kann nämlich recht lustig sein: Er findet seine Spermien unschlagbar, weil 200 Millionen bei ihm beweglich sind.

Da geht die Frau lieber Samgyeopsal essen. Ist sehr „in“ in Tokio: nudelig geschnittenes Bauchfleisch, das Fett verschwindet beim Grillen, das Fleisch wird knusprig, dazu eine Sauce wie Ssamjang (Chili). Oder gireum-jang (Sesamöl).

 

Mieko
Kawakami:

„Brüste
und Eier“
Übersetzt von Katja Busson.
DuMont Verlag.
496 Seiten.
24,70 Euro

KURIER-Wertung: ****

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