Rache im Regierungsviertel: Wenn der Kanzler im Hotel Adlon für immer abdankt
Krimi-Satire mit Insider-Faktor: Ex-Minister-Sprecher Wolfgang Ainetter lässt seinen Wiener Ermittler André Heidergott hinter die Kulissen des Berliner Regierungsviertels blicken
Politik ist ein hartes Pflaster. Bei Wolfgang Ainetter lernt man: Mitglied einer Ampelkoalition zu sein, kann sogar tödlich enden. Zumindest, wenn man eine Figur in seinem neuen Krimi „Einigkeit und Recht und Rache“ ist.
Der Tiroler nimmt die Leserschaft seines zweiten „Kanzleramtskrimis“ wieder mit ins Zentrum der politischen Macht. Als ehemaliger Pressesprecher im Berliner Verkehrsministerium weiß er genau, wovon er spricht.
Mörderisches Ende der Ampel-Koaliton
Das macht die Sache prickelnd wie Champagner. Und der tötet beim Bundespresseball im Hotel Adlon den wenig beliebten Bundeskanzler und seinen mindergeschätzten Finanzminister. Deutschland steht unter Schock. Ist es ein Terrorakt? Wenn ja, von wem?
André Heidergott, Wiener Ermittler im Dienste des Berliner Regierungsviertels, steht nun unter Druck: Er soll die Täter finden. Mit Chefin Emily Schippmann taucht er ein in ein Geflecht aus politischen Intrigen, radikalen Gruppen und ausgelebter Medienmacht.
Fiktion trifft Blick durchs Schlüsselloch
Der frühere Bild-Journalist Ainetter, heute als Ministerialdirigent (sic!) beamtet, beschreibt die Szenerie als Icherzähler mit viel Ironie und nuancierter Respektlosigkeit gegenüber den Mächtigen. Man muss den polit-medialen Zirkel in Berlin nicht kennen, um sich darüber zu amüsieren oder den Kopf zu schütteln.
Am Ende fragt man sich: Ist das alles nur Fiktion? Oder könnte es hinter den Kulissen tatsächlich so zugehen – über Deutschland hinaus? „Diese Geschichte ist ebenso wahr wie die Wahlversprechen von Friedrich März. Alle Figuren des Romans haben eine eidesstattlich Versicherung abgegeben: ,Wir existieren nicht‘“, heißt es im Intro zum Buch.
Intrigen und Olivenöl: Wie sich die Mächtigen entlarven
Der Blick des Ex-Chefredakteurs von News und Heute auf sein Personal bleibt letztlich liebevoll – selbst wenn es in einem verschobenen Wertesystem agiert. Wie etwa die toughe Verlegerin von Wumms24: Sie hält sich mit großzügigen Lieferungen von Net-a-Porter emotional über Wasser, hat ihre Finger an der hohen Politik und bekommt als Quittung dafür Olivenöl aufs Haupt.
„Einigkeit und Recht und Rache“ ist nicht nur Polit-Satire, sondern auch ein Krimi. In dessen Finale werden Groß und Mächtig in ihrer ganzen Kleinheit sichtbar. Darauf ein Glas Glenfiddich Grand Yozakura.
Wolfgang Ainetter: „Einigkeit und Recht und Rache“. Haymon. 352 Seiten. 14,95 €.
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