© Michael Allred/ Cross Cult

Literatur
06/20/2020

100 Bücher, die David Bowie prägten

Die Liste: Seine Werkzeuge fürs Leben werden vorgestellt. Das ist hochansteckend.

von Peter Pisa

Was ist das perfekte Glück für Sie?

„Lesen.“

Und welche Fähigkeit schätzen Sie an einem Mann besonders?

„Wenn er ein ausgeborgtes Buch zurückgibt.“

David Bowie las sehr viel. Als er ein Star und mit der Eisenbahn unterwegs war, lieber als im Flugzeug, fuhr ein Kasten mit; mit Regalen, auf denen Platz für 1.500 Bücher war.

Drei Jahre vor seinem Tod 2016 listete der Musiker aus London auf, welche 100 Bücher ihn am meisten beeinflusst hatten.

Was fehlt

Bei der Ausstellung „David Bowie Is“, die fünf Jahre auf Weltreise war, hingen einige von ihnen vom Plafond, und danach drängten die 100 selbst in 1 Buch – geschrieben vom Journalisten John O’Connell (The Times, The Guardian).

Es sind nicht unbedingt Bowies Lieblingsbücher. Er war begeistert von Kafkas „Verwandlung“, er mochte die Romane Stephen Kings sehr. In der Liste aber fehlen sie alle.

O’Connell analysiert gewissermaßen in kurzen Essays jene 100 Werkzeuge, die Bowie brauchte, um Bowie zu werden.

Z.B. Jack Kerouac aus der Beat Generation und „On The Road“: Von dem Amerikaner lernte der Engländer, nicht 100-prozentig, aber unmittelbar sein zu wollen. „Erster Gedanke, bester Gedanke.“

Oder Fran Lebowitz mit seinem Kolumnenbuch „Metropolitan Life“: Er machte in einem Satz deutlich, wie flüchtig alles ist – besonders das Leben eines Stars: „Du bist nur so gut wie dein letzter Haarschnitt.“

In der Liste vertreten sind einige Werke über Kunst und Musik sowie Klassiker wie Dantes „Inferno“, Arthur Koestlers „Sonnenfinsternis“, Alfred Döblins „Berlin Alexanderplatz“, Camus, Flaubert, Faulkner, Bulgakow ...

Manchmal ist die Auswahl trotz O’Connells Bemühung nicht so leicht nachvollziehbar. Aber das macht nichts. Bowie scheint sich gut unterhalten und seinen Humor gefunden zu haben – etwa im Satiremagazin „Private Eye“ und bei Spike Milligans „Puckoon“.

„Bowies Bücher“ ist herrlich unakademisch und von hochansteckender Neugier. Es fehlt nie der Hinweis, welchen Bowie-Song man sich zu welchem Buch anhören sollte.

„Let’s Dance“ passt zu Bruce Chatwins „Traumpfade“, „Wishful Beginnings“ zu Homer, „Sunday“ zu di Lampedusas „Leopard“... und so geht das 100 Mal.

David Bowie galt als freundlich, witzig, gescheit.

Er hatte die richtigen Bücher gelesen.

John
O’Connell:

„Bowies Bücher“
Übersetzt von
Tino Hanekamp. Illustriert von
Luis Paadín.
Kiepenheuer & Witsch Verlag.
384 Seiten.
16,50 Euro

KURIER-Wertung: ****

 

Die Zeichnung oben stammt aus dem Buch "Bowie - Sternenstaub, Strahlenkanonen und Tagträume" von Michael Allred, koloriert von Ehefrau Laura, getextet von Steve Horton. Es ist die grafische Biografie von David Bowie, die in dessen Kunstfigur Ziggy Stardust übergeht. Ein Buch, das man laut aufdrehen sollte. Erschienen im. Cross Kult Verlag, 36 Euro.