Bregenz: Ende einer erfolgreichen Ära

Günter Rhomberg hielt seine letzte Eröffnungsrede. Das Publikum dankte für<br />
31 Jahre Präsidentschaft.
Foto: dapd/AP

Bei der Eröffnung der 66. Bregenzer Festspiele sprach Festspielpräsident Günter Rhomberg von seiner "31. und definitiv letzten Eröffnungsrede".

Ovationen für Präsident Rhomberg, der sich nach 31 Jahren zurückzieht
Dass sich ausgerechnet kurz vor Beginn der Bregenzer Festspiele deren Vizepräsident (Hans-Peter Metzler) in einem Interview selbst als möglicher neuer Präsident ins Spiel brachte, war nicht gerade ein Vorstoß von großer Eleganz. Günter Rhomberg, der amtierende Präsident am Bodensee, machte jedenfalls am Mittwoch bei der Eröffnung der 66. Festspiele von sich aus Schluss mit den Spekulationen: Es sei seine letzte Eröffnungsrede.

Danach präzisierte Rhomberg, 73, im Gespräch mit dem KURIER: Seine Amtszeit, die im Mai 2012 ausläuft, werde er selbstverständlich korrekt beenden, im Herbst solle aber mit der letzten Weichenstellung für die Zukunft begonnen werden. Eine wichtige Weiche ist bereits gestellt: Roland Geyer wird (schrittweise ab 2014) Nachfolger von Intendant David Pountney.

Rhomberg hat die Geschicke der Festspiele seit 1981 als Präsident entscheidend geprägt und große Erfolge gefeiert. Unter seiner Präsidentschaft (und viele Jahre unter der Intendanz von Alfred Wopmann) wurden die Festspiele zum Fixpunkt auf der sommerlichen Kultur-Weltkarte. Nirgendwo anders wird Massenanspruch so raffiniert mit Qualität verknüpft.

Kritik an der Regierung

Günter Rhomberg hielt seine letzte Eröffnungsrede. Das Publikum dankte für<br />
31 Jahre Präsidentschaft. Foto: dapd/AP Günter Rhomberg hielt seine letzte Eröffnungsrede. Das Publikum dankte für
31 Jahre Präsidentschaft.

Rhomberg verabschiedete sich aber nicht, ohne der anwesenden Regierungsspitze (Kanzler Faymann, Vizekanzler Spindelegger) eine klare Botschaft mitzugeben: "Sie mögen dem kulturellen Geschehen in unserem Lande mehr Aufmerksamkeit widmen, weil bei vielen Kulturschaffenden der Eindruck vorherrscht, ihnen werde zu wenig Beachtung beschenkt." Das Publikum im Festspielhaus dankte dem scheidenden Präsidenten mit Standing Ovations.
Die Eröffnung geriet - wie zumeist in Bregenz und anders als zumeist in Salzburg - kurzweilig und künstlerisch attraktiv, weil der Intendant selbst Regie führte. David Pountney ließ das Publikum die "Marseillaise" mitsingen, passend zur Seebühnenproduktion des heurigen Jahres, Umberto Giordanis Revolutionsoper "André Chenier".

Kulturministerin Claudia Schmied kam auf die Revolutionen im arabischen Raum zu sprechen, auf die Finanzkrise in Europa, die "in ihrer Substanz eine Krise der Kultur und der Werte ist" und auf die Notwendigkeit von Bildung. Bundespräsident Heinz Fischer führte in seiner Eröffnungsansprache vor, wie Politiker auch mit intellektuell anspruchsvollen Themen punkten können. Er schlug fremdwortreich einen Bogen von der Schöpfung über Bibelübersetzungen bis zur Kreativität am Bodensee.

INFO: "André Chenier" von Umberto Giordano, Spiel auf dem See - Bregenz. Premiere: 20. Juli 2011, 21.15 Uhr (bis 21.8.). Live in ORF 2 am Freitag, 22. Juli, 21.20 Uhr

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(kurier) Erstellt am
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