“Borg/McEnroe": Duell der Schreihälse

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Foto: /FILMladen Björn Borg (Sverrir Gudnason, li.) und John McEnroe (Shia LaBeouf) in Wimbledon

Charismatisches Psycho-Duell auf dem Tennisplatz mit Shia LaBeouf als John McEnroe.

Ein Gipfeltreffen unter den Rennfahrern gab es bereits mit Niki Lauda vs. James Hunt in dem Formel-1-Drama "Rush". Nun folgt der Clash der Spitzensportler auf dem Tennisplatz mit Björn Borg gegen John McEnroe im legendären Wimbledon-Finale von 1980, das als eines der größten sportlichen Events der Geschichte eingehen sollte. Der coole Schwede Borg gegen den amerikanischen Wutschlumpf McEnroe, der ehemalige "Teenage Angel" gegen Newcomer "Superbrat", Eis gegen Feuer. Regisseur Janus Metz spitzt das Grand-Slam-Turnier zwischen dem vierfachen Wimbledon-Sieger Borg und dem 21-jährigen Debütanten McEnroe zu einem charismatischen Psycho-Duell zweier Ausnahmeathleten zu.

Al Capone

Der größte Coup gelang dem Dänen bereits mit der Besetzung. Abgesehen von den verblüffenden Ähnlichkeiten: Shia LaBeouf ist ein Meister darin, als cholerischer McEnroe Schiedsrichter und Publikum zu beschimpfen. Er sei der "schlimmste Repräsentant der Amerikaner seit Al Capone", hieß es wenig schmeichelhaft von ihm, und LaBeouf versteht es hervorragend, hinter seinem Toben den verletzten Knaben durchblicken zu lassen. Umgekehrt zuckt Sverrir Gudnarson als scheinbar emotionstote Präzisionsmaschine Borg mit keiner Wimper und lässt sich lieber im eisigen Hotelzimmer den Ruhepuls herunterkühlen. Der Schein trügt, denn, so die überraschende These von "Borg/ McEnroe": Im Grunde ihres Herzens standen sich die beiden Sportler vom Temperament her sehr nahe. In zahlreichen Rückblenden erfahren wir, dass auch Borg als echter Schreihals anfing, seinen Schläger in den Boden betonierte und fluchend vom Platz lief. Im nostalgischen Super-8-Film-Format donnert der proletarische Knabe (übrigens Borgs Sohn Leo) seine Bälle gegen die Garagentür, entschlossen, weltbester Tennisspieler zu werden. Erst unter dem Einfluss seines Trainers – unterbeschäftigt: Stellan Skarsgård – verwandelt er seinen Jähzorn in Spielwut.

Viel weniger Platz schon als Borg bekommt McEnroe auf der Psycho-Couch. Sehr kursorisch erzählt Metz von leistungsorientierten Erziehungsstrebern, die ihren Sohn permanent unter Druck setzen. Auch andere Nebenfiguren wie Borgs Verlobte bleiben nur blass-blond.

Unbestritten aber ist der makellos-stylishe Look von "Borg/McEnroe", der nicht nur das Wimbledon-Turnier zu einer wahren Augenfreude macht. Zwischen Zeitlupe und schnellen Schnitten verdichten die stilsicheren Bilder ein stundenlanges Match zum zwingenden Zweikampf – und machen atemlos spürbar, dass mehr auf dem Spiel steht als nur ein Spiel.

INFO: SWE/DNK/FIN 2017. 107 Min. Von Janus Metz. Mit Shia LaBeouf, Sverrir Gudnarson, Stellan Skarsgård.

KURIER-Wertung:

Hier können Sie das Interview mit Regisseur Janus Metz lesen.

"Captain Underpants"

Superheld in weißer Unterhose

Freche Superhelden-Parodie aus dem DreamWorks Studio.

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Foto: /Centfox

Eigentlich sehen Superhelden immer so aus, als würden sie in ihrer Unterwäsche herumfliegen. Finden zumindest zwei Highschool-Schüler, die in ihrer Freizeit selbst Superhelden-Comics zeichnen. Warum dann nicht gleich einen Helden in Unterhose?

Und schon haben sie ihn erfunden, ihren "Captain Underpants", einen Superhelden in Unterhose, leider auch superblöd. Durch Zufall entdecken die beiden Schüler, dass sie mit Fingerschnippen ihren Schuldirektor – einen humorlosen Fiesling, der alle Schüler terrorisiert – in den leutseligen Captain Underpants verwandeln können. Was sie auch umgehend tun.

Im von Superhelden überschwemmten Hollywood nimmt sich die perfekt animierte, lustig-bunte DreamWorks-Parodie eines müden Genres vergleichsweise frisch aus. Mit Furzkissen und Rülpskonzerten in der Schulklasse wird das Humorniveau bewusst gesenkt, während sich die Insider-Witze über Superhelden-Comics vor allem an die Nerd-Boys im Publikum richten dürften. Spätestens mit dem Auftritt einer Klomuschel beginnt sich der Erzählbogen aber zu überspannen.

INFO: USA 2017. 84 Min. Von David Soren. Stimmen im Original: Kevin Hart, Ed Helms.

KURIER-Wertung:

"American Assassin"

Krimi-Held Mitch Rapp als CIA-Killer

Stereotyper Macho-Agenten-Thriller.

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Gut möglich, dass sich die Krimi-Serie von Vince Flynn ihren Bestseller-Status verdient hat. Aber ob sich der Anti-Terror-Kämpfer Mitch Rapp dafür gleich ein in Planung befindliches Action-Film-Franchise verdient hat, darf bezweifelt werden. Dylan O’Brien als Teenage-Warrior des CIA mit dem Kampfgeist einer Bulldogge will alle Terroristen dieser Welt zu töten. Dafür wird er von Michael Keaton zum Elite-Killer ausgebildet. Testosteronverliebte, humorlose Macho-Action im Stereotyp-Format.

INFO: USA 2017. 120 Min. Von Michael Cuesta. Mit Dylan O’Brien, Michael Keaton, Taylor Kitsch.

KURIER-Wertung:

"What Happened To Monday"

Bei Überbevölkerung Menschen killen

Schießwütiges Popcorn-Actionspektakel mit Noomi Rapace.

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Foto: /Einhorn

Angeblich hat Grimms Märchen "Hänsel und Gretel" den schwedischen Regisseur Tommy Wirkola so sehr das Fürchten gelehrt, dass er dieses Gefühl nun an uns Kinozuschauer weitergibt. Mit saftigen Spezialeffekten malt er die Auswirkungen der Überbevölkerung im Jahr 2073 aus: Rattenfleisch zum Abendessen, weil in den Megastädten die Lebensmittel knapp sind. Darüber hinaus hat der Konsum von genmanipulierten Pflanzen bei Menschen zu Mehrlingsgeburten geführt – und diese wiederum zu einer skrupellosen Ein-Kind-Politik. Mittendrin versucht sich die Schauspielerin Noomi Rapace in der Rolle von Siebenlingen zu behaupten, die durch eine strikte Erziehungsmaßnahme vor den Häschern geschützt werden sollen: Um eine einzige, gemeinsame Identität vorzutäuschen, darf jede der sieben Schwestern jeweils nur an einem Tag der Woche das Haus verlassen. Benannt wurden sie deshalb nach den Wochentagen Monday, Tuesday, Wednesday, etc. Die Tarnung droht aufzufliegen, als eine von ihnen – Monday – eines Tages nicht zurückkehrt.

Das schießwütige Popcorn-Actionspektakel bietet auf politische Grundfragen nach den Auswirkungen der Überbevölkerung eine eigenwillige Antwort: Man bringt möglichst viele Menschen ganz einfach um. Rapace wirkt mit ihren sieben Rollen überfordert, auch wenn schrille Perücken und Klamotten dabei helfen sollen, die Charaktere zu unterscheiden.

Text: Gabriele Flossmann

 INFO: GB/F/BL/USA 2017. 123 Min. Von Tommy Wirkola. Mit Noomi Rapace.

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(kurier) Erstellt am
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