Kultur
08.02.2016

Eine "Zahnarzt-Oper" im Wilden Westen

Çiğdem Soyarslan als Trina und Corby Welch als Titelheld McTeague © Bild: /Landestheater Linz/Patrick Pfeiffer

Landestheater Linz: Europäische Erstaufführung von Bolcoms "McTeague – Gier nach Gold".

Zuerst eine kurze aber gewaltige Eruption im groß besetzten Schlagwerk. Eine riesige Sonnenscheibe steht gleißend über der Wüste. Death Valley. Die Feldflasche des Titelhelden ist leer. Dann produzieren dissonante Streicherklänge einen atmosphärischen Klangteppich, immer wieder vom Blech bedrohlich unterbrochen: Mit diesem Vorgriff auf das Finale beginnt am Linzer Landestheater verheißungsvoll die Oper "McTeague – Gier nach Gold" vom US-Komponisten William Bolcom, Jahrgang 1938.

Auf der Drehbühne richten sich die anfangs umgekippten Häuser wie durch Wunderhand auf, werden zu einer bevölkerten Straße in San Francisco. Ein auch später immer wiederkehrender, frecher Ragtime erklingt.

Aber dass dieser starke Eindruck bald verflacht, liegt an der doch seltsam anmutenden, teils skurrilen Story mit Längen im zweiten Teil (Roman von Frank Norris, Libretto: Arnold Weinstein und Robert Altman). Sie handelt vom Aufstieg und Fall des Zahnarztes McTeague um 1900, dessen Frau in der Lotterie 5000 Golddollars gewinnt. Das löst Hass, Neid aus, hat mörderische Folgen und führt zu einem Showdown in der Wüste.

Matthias Davids inszeniert anfänglich mit hohem Tempo und geschickten Szenenwechseln. Bühne und Kostüme entsprechen den gängigen Westernklischees. Die Figuren sind individuell gezeichnet und machen glaubhafte Entwicklungen durch. Nur hängt die Story immer wieder durch.

Die Protagonisten

McTeague wird anstelle des erkrankten Stephen Gould von Corby Welch ungemein präsent, expressiv und kraftvoll gesungen. Seine Frau Trina wird von Çiğdem Soyarslan mit nuancenreichem Sopran gestaltet. Michael Wagner singt den ehemaligen Freund Shouler mit dämonischem Organ und Karen Robertson die skurrile Alte Maria Miranda Macapa mit großer Energie.

Komponist Bolcom pflegt die Grenzenlosigkeit: Seine Musik ist polystilistisch, mäßig modern und vereint Ragtime, Blues, Walzer, Musical und serielle Musik.

Dennis Russell Davies, schon 1992 Leiter der Uraufführung in Chicago, steht jetzt auch am Pult der europäischen Erstaufführung. Vom Bruckner Orchester Linz werden die farbigen, teils diffizilen, oft überraschenden Klänge engagiert und perfekt musiziert. Großer Jubel!

Von Helmut Christian Mayer