Kultur
14.08.2017

Blumenbub im Liebestal der Tränen: Tyler, the Creator

Der Skandalrapper entrang sich ein neues Album. Eine Montage aus Sehnen und Sexualität.

Tief ist relativ. Bei Tyler, the Creator geht es immer noch ein Stück weiter runter. Seine schwulenfeindlichen Ausritte brachten dem Künstler-Rapper schon einmal ein Einreiseverbot nach Großbritannien ein; seine Repliken darauf sind in dieser Zeitung nicht zitierbar.

Jetzt ist er also selbst schwul, zumindest auf dem Album "Flower Boy", in dem er in mehreren Zeilen damit kokettiert, Männer zu küssen und Frauen vorgeführt zu haben. Überhaupt: Dem genretypisch geschlechtsteilfixierten Singsang auf die eigene Manneskraft weichen auf dem neuen Album erwachsenere und verletzlichere Töne: Wirst du auf mein Herz aufpassen, wenn ich es dir anvertraue?

Ansonsten geht es dem Idol aller Kunststudenten wie gehabt darum, image- und stylemäßige Quadratwurzeln aus dem Unmöglichen zu ziehen. Allein der Blick! Tyler lässt sich stets ablichten, als hätte ihn mit 20 ein Schlaganfall ereilt.

Außenwirkung

Der Mann mit der Stimmlage eines kaputten Subwoofers hat vieles: Charme, ein durchdachtes Konzept seiner Außenwirkung, einen der teuersten Supersportwagen der Welt und die Gnade, seine alptraumhaften Visionen aus dem Alltag so zu erzählen, dass mehr als ein doppelter Boden davon abhält, ernsthaft zu hinterfragen, was er da jetzt wirklich von uns will.

Insofern ist das Thematisieren seiner Sexualität eher eine Finte denn Outing: Tyler schwebt über den Dingen, weder der Vorwurf der Homophobie noch diese selbst können ihm etwas anhaben.

Arrangiert hat auch dieses Album Tyler selbst – und man möchte nicht wissen, unter welche abstrusen Laborbedingungen er die wirklich wunderbar abstrusen Sounds zusammengeschraubt hat. Da treffen sich Violinen mit Störgeräuschen, subsonischer Rap wechselt sich mit wunderbaren R ’n’ B-Passagen ab und Tyler kreiert eine weitere Facette seines Seins: Blumenbub.