Hellsberg über Birgit Nilsson (Porträt im Hintergrund): "Eine der größten Künstlerinnen aller Zeiten"

© APA/HERBERT NEUBAUER

Musikpreis
04/09/2014

"Durfte eine Göttin küssen"

Die Wiener Philharmoniker erhalten den Birgit Nilsson Preis 2014.

von Peter Jarolin

Preise gibt es auch in der Welt der Klassik ziemlich viele. Manche aber haben eine besondere Bedeutung. Etwa der Birgit Nilsson Preis, benannt nach (und gestiftet von) der schwedischen Jahrhundert-Sängerin. Alle zwei bis drei Jahre wird dieser mit einer Million Dollar (das sind rund 725.000 Euro) dotierte Preis verliehen. Preisträger 2014 sind die Wiener Philharmoniker.

An Sänger, Dirigenten und Institutionen kann die Auszeichnung vergeben werden; den ersten Preisträger bestimmte noch die 2005 verstorbene Birgit Nilsson selbst. Plácido Domingo erhielt den Preis 2009. Zweiter Preisträger war (bereits von einer Jury gekürt) 2011 Stardirigent Riccardo Muti. Nun sind –als erste Institution – die Wiener Philharmoniker an der Reihe.

Große Gala

Die Preisverleihung findet am 8. Oktober im Stockholmer Konzerthaus statt. Die Wiener Philharmoniker werden im Rahmen dieser Gala Liszts "Les Préludes" und in Erinnerung an die große Wagner-Interpretin Nilsson den "Liebestod" aus "Tristan und Isolde" ohne Sängerin spielen. Dirigent ist Birgit- Nilsson-Preisträger Riccardo Muti. Die schwedische Journalistin Pia Lindström, Tochter von Ingrid Bergman, wird moderieren. Das schwedische Königspaar wird anwesend sein.

Von einem "sehr emotionalen Moment" spricht Philharmoniker Vorstand Clemens Hellsberg, der Birgit Nilsson bereits als Schüler und Student an der Staatsoper erleben durfte. Hellsberg war es auch, der Nilsson 1999 die Urkunde über ihre Ehrenmitgliedschaft bei denen Philharmoniker überreichte. Hellsberg: "Ich durfte eine Göttin küssen."

Und über Nilsson selbst meint Hellsberg: "Sie war eine der größten Künstlerinnen aller Zeiten. Sie hat immer einen Ehrenplatz in der Geschichte unseres Orchesters. Ich persönlich werde ihr immer dankbar sein. Ich bin über den Preis sehr gerührt."

Und Rutbert Reisch, Präsident der Birgit Nilsson Stiftung erklärt: "Die Liebe der Wiener Philharmoniker zu Birgit Nilsson beruhte auf Gegenseitigkeit. Wir wollen die Gala in Stockholm auf jenem Niveau abhalten, auf dem Nilsson gesungen hat."

Pikantes, aber elegant gelöstes Detail am Rande: Als Vorstand der nun prämierten Wiener Philharmoniker war Hellsberg (wie bereits 2011) Mitglied der Jury. Präsident Reisch: "Als klar war, dass wir diesmal ein Orchester küren wollen, hat Clemens Hellsberg zwei Mal seinen Rücktritt aus der Jury erklärt. Wir haben ihn zwei Mal zurückgehalten." Hellsberg ist geblieben, hat sich aber bei der Wahl des Orchesters ausdrücklich der Stimme enthalten.

Internationale Jury

Weiters in der Jury: Eva Wagner-Pasquier, die Leiterin der Bayreuther Festspiele für Deutschland, Bengt Hall, Leiter der Oper von Malmö und ehemaliger Chef der Oper Stockholm für Schweden, Rupert Christiansen, Mitglied des Opera Editorial Board für Großbritannien sowie Speight Jenkins, ehemaliger Generaldirektor der Oper von Seattle (USA).

Doch was werden die Wiener Philharmoniker mit der Million Dollar Preisgeld machen? Hellsberg: "Wem das Geld zugute kommt, wird die Generalversammlung unseres Orchesters so bald wie möglich und demokratisch entscheiden."

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