Kultur
29.01.2015

"Birdman": Superheld auf dem Prüfstand

Neun Oscarnominierungen für Superhelden-Satire von Alejandro Iñárritu.

Noch nie konnte man über einen Film von Alejandro Iñárritu lachen, im Gegenteil: Seine Über-Melodramen "21 Grams", "Babel" und "Biutiful" legten sich tonnenschwer auf die Seele.

Doch das hat sich überraschend geändert. Der mexikanische Starregisseur entdeckte unverhofft die Macht seines Humors und leistete sich mit "Birdman" einen der witzigsten Filme des Jahres.

"Birdman" funktioniert bestens als komischer Kommentar auf Hollywoods Blockbusterkino und spielt dabei gekonnt mit dem Verhältnis zwischen Kunstanspruch und Kommerz. Außerdem zauberte Iñárritu für die Hauptrolle des Ex-Superhelden "Birdman" Ex-Superheld "Batman" Michael Keaton aus dem Hut und beschenkte ihn mit seiner Comeback-Rolle. Keaton fühlt sich sichtlich zu Hause in der Haut eines abgehalfterten Schauspielers namens Riggan Thomson, der einst als Superheld "Birdman" die Millionen an den Kinokassen scheffelte. Doch diese Tage sind vorbei. Nun möchte Thomson sein Talent als seriöser Künstler unter Beweis stellen. Sein verwegener Plan: Die Broadway-Inszenierung eines Raymond-Carver-Stücks, mit sich selbst in der Hauptrolle. Natürlich läuft alles schief und die Premiere rückt immer näher.

Die gefürchtete Theaterkritikerin spitzt schon die Feder und kann den Moment gar nicht abwarten, wo sie Thomsons Inszenierung in der Luft zerreißen kann.

Je mehr der Druck steigt, desto mehr sucht dieser Flucht in seinem Alter Ego, dem Superhelden "Birdman": Immer wieder erklingt dessen hämische Stimme in seinem Kopf und fordert ihn auf, den ganzen Broadway-Quatsch doch hinzuschmeißen und endlich wieder der zu werden, der er wirklich ist: Ein Blockbuster-Superheld und Hollywood-Megastar. Der gefiederte Birdman wird immer aufdringlicher und folgt dem zerquälten Thomson bis hinein ins Herren-Klo.

Umwerfend

Michael Keaton entfaltet eine ungeahnte Bandbreite an Situationskomik. Besonders lustig jene Szene, in der er sich versehentlich aus dem Theater aussperrt und dann in Unterhose und Socken über den knallvollen Times Square marschieren muss. Auch Edward Norton und Naomi Watts als seine selbstverliebten Kollegen sind einfach umwerfend.

Allerdings bleibt Iñárritu auch ein bisschen ein Angeber-Regisseur: Man kann sich beim Zuschauen nicht des Gefühls erwehren, dass er permanent seine Anwesenheit in Erinnerung rufen muss – sei es durch seine virtuose Kamera oder den eine Spur zu vehementen Einsatz von Musik. Trotzdem ist "Birdman" insgesamt fulminant und bislang Iñárritus absolut bester Film.

Info: Birdman. USA 2014. 119 Min. Mit Michael Keaton, Ed Norton. Von Alejandro González Iñárritu.

KURIER-Wertung:

Diese Filme rittern um die Oscars

Die Oscar-Nominierungen 2015

1/16

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Director Richard Linklater poses backstage with hi

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Verleih

USA 87TH OSCAR NOMINATIONS

USA 87TH OSCAR NOMINATIONS

USA 87TH OSCAR NOMINATIONS

Abschied eines Berufszynikers von seinem Weltbild

Gruber hat nur Red Bull und Champagner im Eiskasten und trägt T-Shirts mit der Aufschrift "Cocaine & Caviar".

Beruflich glaubt sich der Porschefahrer immer auf der Siegerspur, auch wenn er verliert ("Ich verliere nie"). Sein Bett ist ein Durchlauferhitzer für One-Night-Stands. Und das Wort "Familie" hält er ausschließlich in betrunkenem Zustand aus. Für ihn spricht eigentlich nur sein guter Musikgeschmack.

Gruber ist ein distanzierter Wiener Schnösel, wie er im Buche steht, und zwar in dem von KURIER-Kolumnistin Doris Knecht. Regisseurin Marie Kreutzer ("Die Vaterlosen") verfilmte Knechts Bestseller "Gruber geht" (ab Freitag im Kino) schnörkellos nah an der Vorlage und fand in Manuel Rubey einen kongenialen Gruber. Rubey hält sich mit seinem prägnant-blasierten Tonfall die Welt vom Leib, vor allem auch die Gefühlsausbrüche seiner Filmschwester Doris Schretzmayer. Wie Eiswasser ergießt sich sein trockener Humor über seine Umgebung und sorgt für stetigen Dialogwitz. Erst die Zufallsbegegnung mit einer Berliner DJane namens Sarah – eine verletzliche Bernadette Heerwagen – bringt Grubers steinernes Herz zum Schwingen.

Krebs

Das Aufkeimen der Liebe steht unter keinem guten Stern. Gruber hat Krebs ("Hodgkinsky", wie sein einfältiger Freund das Hodgkin-Lymphom nennt) und braucht Chemotherapie.

Dass er potenziell dem Tod ins Auge blickt, verdeutlicht Kreutzer durch eine geisterhafte Friedhofsansicht, die sich wie ein "Memento mori" in den Bildfluss schiebt. Kreutzer bevorzugt unterkühlte Farben, nicht nur in den Krankenhausszenen: Gruber ist in seiner sterilen Designer-Wohnung genauso unbeheimatet wie in lindgrünen Hotelzimmern und blaugrauen Nachtlokalen. Auch den Anflug von romantischer Liebe erzählt sie in zunehmender Kälte. Nur langsam kann sich Berufszyniker Gruber von seinem Weltbild lösen. Zaghaft schleicht sich Kinderlachen in seinen Alltag, und Kreutzer setzt alles dran, Beziehungskitsch zu vermeiden. Stattdessen bleibt "Gruber geht" atmosphärisch cool wie ein guter Popsong.

Info: "Gruber geht". Ö 2014. 104 Min. Von Marie Kreutzer. Mit Manuel Rubey, Bernadette Heerwagen.

KURIER-Wertung:

Blutiger Rachefeldzug für ein Hundekind

Zuerst war er Keanu Reeves’ Stunt-Double in "Matrix", jetzt ist er sein Co-Regisseur: Chad Stahelksi, gelernter Kickboxer, legte sein gesamtes Kampfwissen auf den Tisch und choreografierte einen sorgfältig stilisierten, coolen Noir-Rache-Thriller rund um Keanu Reeves. Als Ex-Auftragskiller John Wick lässt Reeves im eleganten Maßanzug und Krawatte bevorzugt die Waffe sprechen. Mit versteinertem Gesicht jagt er den Sohn eines russischen Mafia-Bosses quer durch das nachtschwarze New York, weil dieser seinen ... äh ... kleinen Hund erschossen hat. Das mag als Anlass für ein gigantisches Blutbad etwas dürftig erscheinen, aber ein gefinkeltes Drehbuch ist nicht die Stärke von "John Wick". Die liegt in furioser Action und charismatischen Schauplätzen.

Info: "John Wick". USA/CA/CHI 2014. 101 Min. Von Chad Stahelski, David Leitch. Mit Keanu Reeves, M. Nyqvist.

KURIER-Wertung:

Wenn Legenden auf dem Eis mit Tränen ringen

Gabe Polsky, ein US-amerikanischer Filmemacher mit ukrainischen Wurzeln, widmet sich in "Red Army" dem legendären wie (fast) unschlagbaren sowjetischen Eishockey-Team der 70er- und 80er-Jahre. Im Mittelpunkt der wirklich sehenswerten Doku steht Slawa Fetissow, der als Kapitän diese Spezialeinheit auf Kufen anführte. Polsky kombiniert die teilweise brisanten Aussagen der ehemaligen Spieler und Trainer mit raren wie beeindruckenden Aufnahmen aus dem Archiv.

Info: "Red Army". Doku. USA/Russland. 76 Min. Von Gabe Polsky. Mit Slawa Fetissow, Sergej Makarow, Wladimir Krutow.

KURIER-Wertung:

Fünf Freunde 4

Abenteuer. Die fünf Freunde George, Julian, Dick und Anne und ihr Hund Timmy reisen nach Ägypten, um dort das Geheimnis eines Goldamuletts zu lüften.

Österreich – oben und unten

Doku. In einer aufwendigen Doku zeigt Regisseur Joseph Vilsmaier die vielfältige Landschaft der österreichischen Alpenrepublik von oben – mit vielen Flugaufnahmen und der Musik von Hubert von Goisern.

My Name Is Salt

Doku. Die Doku von Farida Pacha erzählt die Geschichte einer Familie, die in der indischen Salzwüste von Kutch einige Monate lang verbringt, dort Salz gewinnt und dabei wie auf dem Mond lebt.

Da muss Mann durch

Komödie. Deutsche Komödie mit Wotan Wilke Möhring, der einen guten Eindruck auf seine neue Freundin machen will und dazu Rat und Tat von seinen drei besten Kumpels bekommt.

Ritwik Ghatak

Retrospektive. Sein Spitzname war "brennender Tiger" – Ritwik Ghatak, indischer Filmemacher, dessen Werk nun im österreichischen Filmmuseum (bis 12. Februar) zu sehen ist. Ghataks Filme, die sein berühmter Regisseur-Kollege Satyajit Ray für ihre epische Schönheit lobte, sind elektrisierende, zerrissene Werke eines von Selbstzweifeln geplagten Künstlers. In ihnen streiten Elemente von Tradition und Moderne, Melodrama, Realismus und Revolution.