Kultur
06.05.2012

Berlinale-Blog: Im Dienste Ihrer Majestät

Ich habe einen neuen Liebling - Pierce Brosnan. Selten so einen sympathischen Schauspieler getroffen.

Wenn man einen Schauspieler interviewt, sind die Gespräche manchmal von ausgesuchter Langeweile und Oberflächlichkeit. Manche haben nichts zu erzählen. Andere wollen nicht.
Dazu kommt bisweilen Arroganz - die sich umgekehrt proportional zur künstlerischen Bedeutung verhält. Das heißt: Die größten Schauspieler sind oft die coolsten, die weniger großen die eitelsten Pimpfe.
Das alles berücksichtigend, bin ich mit einer gewissen Skepsis zum Interview mit Pierce Brosnan ins geschichtsträchtige Berliner Hotel Adlon gegangen. Der Anlass war sein Film "The Ghostwriter" von Roman Polanski, ein glänzender Polit-Thriller, der schon ab kommendem Freitag auch in Österreich im Kino zu sehen sein wird.
Diese Interviews finden normalerweise in Form von sogenannten Round-Table-Gesprächen statt. Das heißt: Ein Schauspieler sitzt genervt an einem großen Tisch - mit bis zu zehn Journalisten aus aller Welt, die die absurdesten Fragen stellen. Die meisten Kollegen kommen aus dem Klatschbereich und sind ohnehin nur am Sexleben interessiert. Insgesamt dauert so ein Gespräch vielleicht 15 Minuten, das bedeutet, man kann mit Glück eine Frage stellen. Solche Interviews werden dann von gewissen Medien als "exklusiv" verkauft, was branchenmäßig regelmäßig eine Lachnummer ist.

Mister Brosnan jedoch nimmt sich die Zeit für ein Einzelgespräch mit mir. Eine halbe Stunde sitzen wir beisammen, sprechen über den Film, sein eigenes politisches Engagement, seine Familie und freilich auch über James Bond, der er ja einmal war (nachzulesen am Montag im Print-KURIER).
Er ist entspannt, elegant, klug, weiß sich zu benehmen, ganz englischer Gentleman, der noch dazu im "Ghostwriter" glänzend spielt.
Kann man das bitte mal jenen Möchtegern-Stars sagen, die schon im Anfangsstadium ihrer Karriere abgehoben sind?
PS: Es schneit immer noch.

13. Februar

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Gert Korentschnig, Stellvertretender Chefredakteur des KURIER und Ressortleiter Kultur und Medien, blickt Tag für Tag hinter die Kulissen der Berlinale.