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Kritik
09/13/2019

Kušejs Start als Burgtheaterchef: "Bakchen" als beeindruckende Materialschlacht

Martin Kušej begann mit "Die Bakchen", inszeniert von Ulrich Rasche.

von Guido Tartarotti

Seine Verwandtschaft kann man sich nicht aussuchen. Schon gar nicht in der griechischen Tragödie. Pentheus, König von Theben, ist der Sohn der Agaue. Deren Schwester wiederum ist Semele, mit der Göttervater Zeus den Dionysos zeugte. (In der Familie wird das als ein wenig peinlicher Fehltritt gewertet und abgestritten.) Dionysos ist also Pentheus’ Cousin, sie haben den selben Großvater: Kadmos.

Und das ist die Ausgangssituation von Euripides’ Tragödie „Die Bakchen“. Dionysos kehrt nach Theben und fordert sein Recht ein, verehrt zu werden (Götter neigen zur Eifersucht). Pentheus dagegen ist ein Herrscher der Vernunft, heute würde man sagen: Er will einen säkularen Staat. Also bedroht er Anhänger des Dionysos mit der Todesstrafe.