Ereifern sich beim Aufklären: Sebastian Thiers und Ensemble

© WERK X / Alex Gotter

Kritik
09/27/2021

„Aus dem Nichts“ im Werk X: Der Überbau zum Untergrund

Packendes Lehrstück in Meidling: Ali M. Abdullah kontextualisierte den Film „Aus dem Nichts“ von Fatih Akin

von Thomas Trenkler

Möglicherweise kennt man „Aus dem Nichts“ von Fatih Akin aus 2017. Schließlich wurde Hauptdarstellerin Diane Kruger in Cannes ausgezeichnet. Und 2018 folgte der Golden Globe für den besten fremdsprachigen Film.

Doch Ali M. Abdullah, der zusammen mit Harald Posch das Werk X in Meidling leitet, wollte bei seiner Dramatisierung nicht darauf vertrauen. Zu wichtig ist dem Wiener, aufgrund seines Namens immer wieder mit institutionellem Rassismus konfrontiert, das Thema. Nach einem sehr langen Intro – das sechsköpfige Ensemble tanzt zum Ballermann-Hit „Disco Pogo“ – erzählt er die Geschichte klug gerafft nach: Bei einem Bombenanschlag wurden der kurdischstämmige, in Deutschland geborene Nuri und dessen Sohn ermordet. Die Polizei vermutet einen Krieg der Türken-Mafia. Schließlich war Nuri einst Dealer gewesen.

 

Die Voreingenommenheit bzw. das Unvermögen der Polizei verdeutlicht Abdullah mit einer Geste: Der Kommissar verschüttet am Tatort – ein Geschäftslokal (Ausstattung von Renato Uz) – den Inhalt seiner Thermosflasche und zerstört beim Aufwischen Spuren. Den Angaben von Nuris Frau Katja wird zunächst nicht geglaubt.

Akin war von den Anschlägen des NSU zu seinem Film inspiriert worden. Und so fallen nach diesem ersten Teil die Schauspieler auf der Bühne aus ihren Rollen, um das Publikum über den Nationalsozialistischen Untergrund aufzuklären. Man hört Erschreckendes – z. B. über das Spiel „Pogromly“, dessen Ziel judenfreie Städte sind.

„Ich komm’ wieder“

Nach Teil 2 – das schließlich doch verhaftete Neonazi-Pärchen wird mangels an Beweisen freigesprochen – folgt ein weiterer Einschub: Das Ensemble wendet sich wieder über die Videokamera und die Leinwand an das Publikum, es sucht nach Gründen für Rassismus, es setzt beim Kolonialismus an, zitiert die Aufklärer Hegel und Kant. Und die Botschaft des rosaroten Panthers („Heute ist nicht alle Tage, ich komm’ wieder, keine Frage“) klingt, vom NSU missbraucht, wie eine sehr gefährliche Drohung.

Gegen die Männer – Okan Cömert und Peter Pertusini als Anwälte, Sebastian Thiers und Sebastian Klein – vermag sich Constanze Passin als Katja nicht ganz zu behaupten. Dennoch ein sehr, sehr starker Abend.

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