„Als Architekturkritiker muss man ja auch das beschreiben, was man nicht sieht. Alles andere ist ja fad“

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Kultur
03/27/2019

Architekturkritiker und Autor Friedrich Achleitner gestorben

Als Mitglied der Wiener Gruppe ging Achleitner in die Literaturgeschichte ein.

Die Architektur bezeichnete er als "Knochenarbeit", Literatur war sein Vergnügen. Reüssiert hat Friedrich Achleitner aber in beiden Metiers. Am heutigen Mittwoch starb der Doyen der österreichischen Architekturkritik und Hauptvertreter der "Konkreten Poesie", im 89. Lebensjahr in Wien. Achleitner, der Architektur studiert, aber nie gebaut hat, ging gemeinsam mit u.a. H.C. Artmann und Oswald Wiener als "Wiener Gruppe" in die Literaturgeschichte ein.

Gemeinsam mit weiteren Kollegen wie Gerhard Rühm und Konrad Bayer zettelte er Ende der 1950er-Jahre eine sprachexperimentelle Revolution an. "Zumindest dachten wir, dass Konkrete Kunst auch in der Poesie anwendbar ist. Wahrscheinlich haben wir uns geirrt", sagte Achleitner Jahre später, mit 85 Jahren, selbstkritisch über diese Zeit.

Kritische Instanz

In der internationalen Geschichte der Avantgardeliteratur ist dem "Baumeister der Sprache", der bei seinen Textarbeiten das Konzeptuelle, die Kurzform und Sprachkritik in den Vordergrund stellte, jedenfalls ein Platz sicher. 1959 veröffentlichte Achleitner gemeinsam mit Artmann und Rühm den Dialekt-Band "hosn rosn baa", ein Jahr darauf publizierte er "schwer schwarz".

Sein Lebenswerk in Sachen Architektur, die mehrbändige Dokumentation "Österreichische Architektur im 20. Jahrhundert", vollendete der wortmächtige, architekturbesessene Publizist kurz nach seinem 80. Geburtstag. "Der Achleitner", wie die ausführliche Dokumentation unter Architekten heißt, machte den Architekturhistoriker zur kritischen Instanz. Als Architekturkritiker war Achleitner unter anderem zehn Jahre lang für Die Presse tätig.

1983 wurde Achleitner Vorstand der Lehrkanzel für Geschichte und Theorie der Architektur an der Univerersiät für angewandte Kunst in Wien. 1981 promovierte Achleitner mit dem seit 1980 veröffentlichten Werk an der Tecnischen Universität Graz zum Dr. techn.  Im vergangenen Jahrzehnt arbeitete Achleitner wieder vermehrt als Literat. Schließlich sei er damals des Schreibens wegen, nicht der Architektur, nach Wien gekommen, sagte er einmal. Im Zsolnay Verlag erschienen zuletzt "der springende punkt" (2009), der Dialektgedichte-Band "iwahaubbd" (2011) und 2015 "wortgesindel": ein ironisches Aufzeigen des allgegenwärtigen sorglosen Umgangs mit der Sprache.