© EPA/CARLO FERRARO

Interview
01/05/2021

Anthony Hopkins: "Ich hatte es leichter als die meisten“

Der Schauspieler im Gespräch über das Älterwerden, die Malerei und seine Idole.

von Elisabeth Sereda

Sir Anthony Hopkins ist heuer in zwei Filmen von Erstlingsregisseuren zu sehen. In „The Father“ folgte er den Anweisungen von Florian Zeller, in „Elyse“ denen seiner Frau Stella. Der 83-jährige Schauspieler – er feierte zu Silvester Geburtstag – spricht im Interview über seine Vorbilder, seine künstlerischen Hobbys und das Altern.

KURIER: In „The Father“ spielen Sie einen demenzkranken Mann. Was hat Sie dabei überrascht?

Anthony Hopkins: Als ich den Film nach dem Dreh zum ersten Mal sah, wurde mir klar, dass diese Figur mein Vater ist. Der Mann, der cholerisch und streitbar war, ein sehr tougher Mann. Ich habe mit dem Alter gelernt, diese vererbten und gelernten Charakterschwächen in mir selbst zu bekämpfen und ruhiger zu werden. Meine Eltern hatten weder Demenz noch Alzheimer, aber ich glaube, mein Vater litt am Ende seines Lebens an Depression. Und es gab Szenen, die mich sehr stark daran erinnerten, als ich meinen Vater am Ende gesehen habe.

War es dann schwierig für Sie, sich in die Titelrolle in „The Father“ zu versetzen?

Je älter ich werde, desto einfacher sind solche Rollen. Ich denke dann über mein eigenes Leben nach, und es kommt mir wie eine Illusion vor. So als hätte jemand anderer das Drehbuch dafür geschrieben. Mein Leben hat sich weit über meine Kontrolle hinaus, weit über meine geistigen Fähigkeiten hinaus entwickelt. Ich kann mir meinen Erfolg nicht selbst zuschreiben. Das ist mir alles passiert. Das Leben ist hart, und ich hatte es viel leichter als die meisten. Ich wurde knapp vor dem Zweiten Weltkrieg geboren, habe aber nur das Ende bewusst miterlebt. Die umliegenden Städte wurden bombardiert, aber für uns waren die sehr düsteren Nachkriegsjahre schlimmer als der Krieg selbst. Ich bin süchtig nach Dokumentarfilmen über diese Ära. Sie machen mir so stark klar, wie gut wir es haben. Auch heute, auch in dieser schwierigen Zeit.

Was steht als nächstes am Plan?

Ich habe mich der Corona-Situation ergeben, aber was mir am schwersten fällt, ist, daheim herumzusitzen und nichts zu tun. Ich habe in den vergangenen fünf, sechs Jahren nonstop durchgearbeitet, daher ist die Umgewöhnung schwierig. Jetzt spiele ich eben Klavier und male, weil niemand weiß, wann wir den nächsten Film starten können.

Sie haben sich auch als Maler einen Namen gemacht. Wie würden Sie Ihren Stil beschreiben?

Ach, ich weiß nicht, ich habe keinen akademischen Background, ich improvisiere. Ich habe keinen blassen Schimmer, was ich eigentlich mache. Ich setze mich vor die Leinwand und beginne, und lasse mich selbst überraschen, was dabei herauskommt. Ein guter Freund von mir, der verstorbene Stan Winston, der die Spezialeffekte für die „Jurassic Park“-Filme gemacht hat, die Kunstschule besucht hat und daher wirklich zeichnen und malen konnte, kam mich einmal besuchen. Er sah meine Bilder und ich genierte mich dafür. Er fragte: „Warum genierst du dich?“ Und ich meinte, „weil ich es nie gelernt habe.“ Und er sagte darauf: „Malen sollte man nie studieren, man sollte es einfach tun“, was mich an das Zitat von Henry Miller erinnerte, der mal sagte: „Male und stirb glücklich.“

Ihre Frau Stella führte beim Drama „Elyse“ Regie, in dem Sie mitspielen. Konnten Sie vergessen, dass Sie verheiratet sind, und sie nur als Regisseurin sehen?

Ja, nämlich immer dann, wenn sie hinter dem Monitor stand und unglaublich schnelle Entscheidungen treffen musste. Und das konnte sie, weil sie schon vorher in anderen Funktionen an Filmen gearbeitet hatte. Sie hat einfach nie die Ruhe verloren. Sie gehört in den Regiesessel. Dass sie meine Frau ist, hat sich erst danach gezeigt, als ich den Film sah, und so einen unendlichen Stolz für sie empfand. Und ehrlich gesagt, auch ziemlich beeindruckt war.

Wer hat Sie als Schauspieler am meisten beeinflusst?

Ich habe natürlich als junger Schauspieler vor allem von Laurence Olivier und John Gielgud gelernt. Bewundert habe ich Katherine Hepburn und Spencer Tracy. Und Humphrey Bogart, der wie kein anderer ältere Männer interessant darstellen konnte. Ich erinnere mich an etwas, das Meryl Streep einmal in einem Interview sagte, als sie der Journalist fragte, wie intensiv ihre Konzentration beim Schauspiel sei. Sie meinte, intensive Konzentration wäre der Tod jeder Darstellung, dass man locker sein muss, weil man sonst nicht im Fluss ist, und ohne Fluss nimmt einem niemand ab, dass man wer anderer ist. Weil die Emotion der Darstellung dann nicht mehr echt ist. Da wurde mir klar, warum ich immer so ein Fan von Robert Mitchum und William Holden war: Die beiden schauten immer so aus, als würden sie es aus dem Ärmel schütteln. Es ist sehr schwer, etwas so leicht aussehen zu lassen.

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