© Jürgen Hausmann/MET Opera

Kritik
02/07/2021

Netrebko in der Hofreitschule: Vollendetes Ansingen gegen die Corona-Pandemie

Superstar Anna Netrebko mit einem Galakonzert in der Spanischen Hofreitschule.

von Peter Jarolin

 Eines der größten Schlachtschiffe der klassischen Musik ist – wie leider viele andere Institutionen auch – am Sinken. Mindestens (eher mehr) eineinhalb Jahre lang hat und wird die New Yorker Metropolitan Opera nicht vor Live-Publikum spielen können, die finanziellen Einbußen sind logischerweise enorm. Die Orchestermusiker wie auch die Techniker und andere Bedienstete stehen auf der Straße, staatliche Subventionen gibt es kaum, Sponsoren sind in Zeiten der Pandemie eher nicht übermäßig großzügig.

Also musste sich Met-Intendant Peter Gelb etwas einfallen lassen, um die Oper im Bewusstsein der Öffentlichkeit zu halten und zumindest etwas Geld zu lukrieren. Das Ergebnis ist die Pay-per-View-Reihe „Met Stars live in Concert“, die Superstars der Klassik an vielen berühmten internationalen Plätzen zu einem Live-Stream-Konzert antreten lässt. Um 20 Dollar (ca. 17 Euro) kann man live und 14 Tage lang dabei sein, wenn höchste Kunst in disparaten Zeiten geboten wird. Diesfalls mit Anna Netrebko aus Wien.

Großer Aufwand

Die höchste Kunst – dafür steht naturgemäß auch Anna Netrebko, die ihren Beitrag zu „Met Stars live in Concert“ in der Spanischen Hofreitschule ablieferte. In der Winterreitschule sang der Superstar der Klassik, begleitet von Pavel Nebolsin am Klavier und flankiert von Mezzosopranistin Elena Maximova. Die Regie lag dank großem technischen Aufwand bei dem preisgekrönten Gary Halverson in New York; in der Konzertpause konnte Peter Gelb im Gespräch mit der Sopranistin Christine Goerke seine Visionen für die Met ausführen. Es war mehr Galgenhumor, den Gelb bei allen Plänen da aufbot.

Große Kunst

Doch zurück in die wunderschöne und filmisch wunderschön präsentierte (ja, es gab im Vorspann auch Lipizzaner zu sehen) und zu Anna Netrebko. Sie bewies einmal mehr, dass sie die Größte ist.

Das Programm war bunt gemischt, bestand aus Liedern und Arien von Tschaikowsky, Rachmaninow, Charpentier, Debussy, Rimsky-Korsakow, Dvorák, Leoncavallo, Bridge und Offenbach. Aber auch von Richard Strauss.

Und man durfte wieder einmal staunen. Denn Anna Netrebko kann einfach alles. Da sind die vollendeten Lyrismen, die herrlichen Spitzentöne, die dramatischen Ausbrüche, die klaren Registerübergänge, das unendlich feine Timbre, der stimmliche Samt, die niemals aufgesetzten, sondern stets wahrhaftigen Emotionen. Elena Maximova sowie Pavel Nebolsin „assistierten“ bravourös und mit Nachdruck. Wäre Publikum zugelassen gewesen – es hätte frenetischen Jubel gegeben. So bleibt nur der virtuelle Dank.

 

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