Posiert als neue Intendantin von Reichenau: die deutsche Burg-Schauspielerin Maria Happel

© Lalo Jodlbauer

Kultur
01/04/2022

Abkehr vom Bisherigen: Die Reichenau-Pläne von Maria Happel

Trenklers Tratsch: Die Festspiele Reichenau ändern unter der neuen Intendantin Maria Happel die Programmatik

von Thomas Trenkler

Es herrscht wieder Friede in Reichenau: Anfang Oktober teilte das Land Niederösterreich Renate und Peter Loidolt mit, dass es von allfälligen Subventionsrückforderungen Abstand nimmt. Diese Maßnahme war, wie berichtet, vom Rechnungshof angeregt worden. Dessen Bericht (etwa über die intransparente Firmenkonstruktion) hatte dem Land als Hebel gedient, um die Gründer der Festspiele Reichenau zum Rückzug zu bewegen. Nun also ist das Festival, als „Burgtheater auf Sommerfrische“ bekannt, ein Betrieb der Kulturholding NÖKU.

Und nach zwei coronabedingt ausgefallenen Sommern soll am Fuße der Rax heuer wieder Programm geboten werden – von 2. Juli bis 6. August und konzipiert von Maria Happel, der Leiterin des Max-Reinhardt-Seminars. Von den einst für 2020 angekündigten Produktionen hat die neue Intendantin lediglich eine übernommen: Carl Zuckmayers „Des Teufels General“ in der Regie von Hermann Beil, allerdings ohne Marcus Bluhm. Wer den General spielen wird? Über Besetzungen schweigt sich Happel noch aus. Die Burgtheaterschauspielerin kündigte nur an, zusammen mit ihrem Kollegen Michael Maertens unter dem Titel „Über unsere Verhältnisse“ Szenen aus der Weltliteratur vorzutragen.

Bekannt sind aber die szenischen Neuproduktionen. Auffallend ist die Abkehr von der Dramaturgie der Loidolts, die den Fokus auf jene Künstler gelegt hatten, die mit der Semmering-Gegend verbunden sind (darunter Stefan Zweig, Arthur Schnitzler und Franz Werfel): Studierende des Max-Reinhardt-Seminars spielen Frank Wedekinds satirisches Stück „Frühlings Erwachen“; Torsten Fischer, der regelmäßig im Theater an der Josefstadt arbeitet, inszeniert Anton Tschechows „Die Möwe“, die zuletzt in einer herausragenden Produktion im Josefstädter Theater zu sehen war.

Zudem greift Maria Happel auf einen mit Walther Matthau und Jack Lemmon verfilmten Klassiker des Sommertheaters, „The Odd Couple“ von Neil Simon, zurück – allerdings auf die weibliche Variante aus 1985. Inszenieren wird „Ein ungleiches Paar“ der deutsche, hierzulande eher unbekannte Regisseur Peter Dehler.

Falls Sie sicher gehen wollen, Karten zu ergattern, müssen Sie tief in die Tasche greifen. Denn der Mitgliedsbeitrag des neu gegründeten Freundesvereins ist happelig: Um sich ein Vorkaufsrecht für bis zu vier Tickets zu sichern, benötigt man die Mitgliedschaft in Gold um 1.000 Euro pro Jahr – das hat beinahe Salzburger Festspielniveau! In der Kategorie Silber um 280 Euro darf man maximal zwei Karten ordern. Garantie, dass Omikron oder Phi oder Tau nicht in die Quere kommt, gibt es trotzdem keine.

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