Wiederholungstäter: Daniel Barenboim am Pult.

© ORF/Roman Zach-Kiesling

Kultur
01/01/2022

1000 Gäste, kein Kanzler: So wird das Neujahrskonzert 2022

Daniel Barenboim dirigiert zum dritten Mal. Millionen Menschen können heute via Fernsehen das Jahr 2022 mit Musik begrüßen. Ein kleiner Wegweiser.

von Peter Jarolin

„Depressionen überwinden!“ „Hoffnung geben!“ Was aus den Mündern vieler Politiker einfach nur wie leere, billige Worthülsen klingt, wird von den Wiener Philharmonikern tatsächlich gelebt. Denn Pandemie hin oder her – das Elite-Orchester begrüßt heute, Samstag, ab 11.15 Uhr, im Goldenen Saal des Musikvereins das Jahr 2022. Selbstverständlich mit Musik, mit Dirigent Daniel Barenboim am Pult. Ein Geisterkonzert vor leeren Rängen bleibt den Philharmonikern erspart, aber nur 1.000 Gäste werden Platz nehmen. Nicht dabei ist Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP), der wegen Omikron absagte. Millionen von Menschen werden das Konzert an den Bildschirmen verfolgen.

Für Barenboim ist es nach 2009 und 2014 der bereits dritte Einsatz bei diesem Konzert der Konzerte, die Philharmoniker spielen zum 82. Mal auf, der ORF ist zum 64. Mal live dabei, 92 Länder kommen in den Genuss wienerischer Walzerseligkeit. Soweit die nüchternen Zahlen.

Champagnerlaune

Hinter diesen Fakten jedoch verbirgt sich ein überaus bunter Programmstrauß, den das Orchester und Barenboim gemeinsam und sehr liebevoll arrangiert haben. Im Zentrum steht naturgemäß einmal mehr die Familie Strauss (auch: Strauß, Anm.). Aber es gibt auch Phönixe, Sirenen, Fledermäuse, Nymphen, Heinzelmännchen und Champagner – einfach philharmonische „Sphärenklänge“. Mit diesem gleichnamigen Stück endet nämlich der offizielle Teil des Programms, ehe der „Donauwalzer“ und der „Radetzkymarsch“ zum heimatlichen Mitklatschen einladen. Am besten bei einem Glas Champagner!

Zum Programm: Los geht es mit dem „Phönix-Marsch“ von Josef Strauss, ehe Johann Strauss mit dem Walzer „Phönix-Schwingen“ zum melodischen Konter ansetzt. Mit seiner Polka „Die Sirene“ meldet sich Josef Strauss zurück, ehe dann die Welt der Medien auf schöne Art thematisiert wird.

So steuert Joseph Hellmesberger einen galoppierenden „Kleinen Anzeiger“ bei, Johann Strauss liest in seinem Walzer die „Morgenblätter“ und Eduard Strauß blättert in seiner Polka in der „Kleinen Chronik“. Dort wäre vermutlich auch der Fall Eisenstein zu lesen gewesen; in der Ouvertüre zur „Fledermaus“ von Johann Strauss ist er immerhin zu hören. Und da am Ende dieser Operette der Champagner schuld an allem war, gibt es die gleichnamige Polka von Johann Strauss dazu.

Nachtschwärmer

Trotz (viel zu früher) Silvester-Sperrstunde: Bei Carl Michael Ziehrers Walzer sind „Nachtschwärmer“ eben am 1. Jänner unterwegs. Diese wagen mit dem „Persischen Marsch“ und dem Walzer „Tausend und eine Nacht“ von Johann Strauss einen Blick in den Orient, ehe sie mit einer Polka von Eduard Strauss auch einen „Gruß an Prag“ ausrichten lassen. Das hätte auch die „Heinzelmännchen“ von Joseph Hellmesberger sicher gefreut, und die „Nymphen“ von Josef Strauss tanzen dazu freudig Polka. Einfach nur „Sphärenklänge“, wie sie Josef Strauss in seinem Walzer herrlich beschwört.

Damit all dies via ORF optisch gut kommt, hat man mit Regisseur Michael Beyer zum sechsten Mal einen Profi an der Hand, der 16 Kameras dirigieren wird. Für den Pausenfilm zeichnet wieder Georg Riha verantwortlich; als Choreograf der (vorab aufgezeichneten) Balletteinlagen gibt Wiens Ballettchef Martin Schläpfer sein Debüt, bei dem auch tanzende Lipizzaner nicht fehlen.

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