© Fabio Tartarotti

Beagle Daria
03/21/2021

Wölfin und Sofaqueen

Neulich beim Wandern: der Wolf im Beaglepelz setzt zum Geheul an, wird aber ausgelacht.

von Birgit Braunrath

Andere haben einen Stubentiger. Wir haben einen Stubenwolf. Die Bezeichnung Stubenwolf allerdings bezieht sich nicht darauf, dass Daria „stubenrein“ wäre. Das ist sie nur bedingt.

Daria verliert ständig und überall ihre feinen weißen Haare, am liebsten büschelweise, weil sie sich pausenlos umzieht. Daria schlüpft gern unterm Putzhandtuch durch und die Stufen hinauf ins Wohnzimmer, wenn sie mit gatschigen Pfoten heimkommt.

Und – bitte verzeihen Sie, aber auch das gehört zum Thema „stubenrein“ – Daria nimmt unterwegs gern Ballaststoffe in Form von Bockerln und Zweigen zu sich, die sie dann daheim, in halb verdautem Zustand, vorzugsweise auf Teppich oder Couch wieder von sich gibt.

Die Bezeichnung „Stubenwolf“ hat also andere Gründe: Daria kann zwar heulen wie ein Wolf, benimmt sich aber, höchst unwölfisch, wie eine Sofa-Queen. Wenn das Fressen nicht punkt 12 und punkt 18 Uhr in der Schüssel ist, weist sie uns heftig darauf hin. Wenn das Fressen zu heiß ist, wird sie laut – und wie zum Beweis, dass das hilft, wird das Futter kühler, je länger sie darauf einbellt.

Wenn die Sonne auf ein Stück Parkettboden scheint, auf dem weder Teppich, noch Hundepolster liegen, wird aus der heulenden Wölfin eine fiepende Heulboje – so lange, bis jemand kommt, um den Sonnenplatz komfortabler zu gestalten. Dann lässt sich Frau Stubenwolf mit einem tiefen Seufzer der Erleichterung nieder.

Rüsselloser, gefleckter Elefant

Kurz gesagt, Daria schätzt Bequemlichkeit ebenso wie pünktlich servierte, wohltemperierte Mahlzeiten. Sie reklamiert den Mittelplatz am Sofa für sich und erteilt per Pfotenzeig Kommandos, wie und wo sie gestreichelt werden will.

Darias divenhaftes Verhalten erinnert also eher an eine Katze als an einen Wolf. Und mit ihren Hängeohren kommt sie einem rüssellosen, gefleckten Babyelefanten deutlich näher als jedem Wolf.

Und doch heult sie manchmal wie eine echte Wölfin. Früher häufig im Schlaf, wenn sie im Traum ihrer Wolfsnatur begegnet ist. Und neulich, als wir mit ihr spazieren gingen. Zwei vorbeikommende Damen lachten: „So süß, die Kleine! Ob aus der noch ein Wolf wird?“

Ich kicherte. Daria hörte es und warf mir ihren strengsten Wölfinnenblick zu.

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