Kolumnen
09/18/2020

Wiener Ansichten: Völlig ausgekichert

Nix zu lachen dieser Tage, für die Reha-Patienten schon gar nicht

von Barbara Mader

So schnell kann’s gehen. Eben noch in einer Waldstadt und einen Wimpernschlag später im Risikogebiet.

Da haben sich manche monatelang redlich bemüht, das liederliche Wien schlecht zu reden – und plötzlich wurden sie von den Deutschen mit einer Reisewarnung überholt.

Sind ja eh recht lustig, diese ganzen Cluster-Witze. Aber ehrlich: Schön langsam geht uns im Redaktionskomitee der Wiener Ansichten der Schmäh aus. Nur die Zyniker unter uns können den aktuellen Vorgängen noch Unterhaltungswert abringen. Der Rest hat, um es mit den Worten des sehr verehrten Otto Waalkes zu sagen, völlig ausgekichert.

Reden wir also anstatt von den großen lieber von den nicht ganz so großen Problemen. Obwohl auch die mit der C-Sache zu tun haben und für die Betroffenen wohl auch große Probleme sind. Dem Redaktionskomitee kam nun zu Ohren, dass man als Patient des neurologischen Rehabilitationszentrums Rosenhügel nicht einmal mehr spazieren gehen kann. Warum? Weil das benachbarte Krankenhaus Rosenhügel immer noch seinen riesengroßen Park abgeriegelt hat. Das Areal stellt nicht nur ein unschätzbares Naherholungsgebiet, sondern für die Reha-Patienten von nebenan eine wichtige Trainingsfläche dar, weil diese keine eigene Grünflächen haben. Menschen, die etwa nach einem Unfall oder einem Schlaganfall zur Reha auf den Rosenhügel geschickt werden, können jetzt also weder Spazierengehen noch Bankerl sitzen. Der Grund: Natürlich, Corona-Zugangsbeschränkungen, wie in allen Spitälern. Und die gelten eben nicht bloß für die Gebäude, sondern auch für die zehn Mal so große Parkfläche. Dass man es seit einem halben Jahr nicht geschafft hat, einen Durchgang für die Patienten zu schaffen, verwundert.

Wer sich fragt, wie sinnvoll so eine Reha ist, der muss sich halt gedulden, bis die guten nachbarschaftlichen Beziehungen der Krankenhäuser wieder aufgenommen werden.

Traurig? Manchmal ist man sogar für einen Waldstadt-Kalauer dankbar.

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