Kolumnen
08/07/2020

Wiener Ansichten: Und jetzt zu etwas ganz anderem

Wann waren Sie eigentlich das letzte Mal auf Kipferl, Zeitung und Kaffee?

von Barbara Mader

Sie und ich, wir haben viel zu besprechen. Wackere Bürgerinitiativen, ignorierte 30er-Zonen, im Wienfluss gesichtete Krebse, wunderbare Wiener Kinokultur: All das gehört jetzt erzählt. Zunächst aber das: Die Wiener Kaffeehäuser sind in Not. Wenige gehen dieser Tage auf Zeitung, Kipferl und Melange. Denn Kaffeetrinken kann man auch im Homeoffice und Leute treffen ist jetzt ungesund. Nun machen sich Prominente in einer Rettungskampagne für Einspänner und kleine Braune stark. Weit sind wir gekommen.

Gut, das Kaffeehaussterben gibt’s schon fast so lange wie das Central, das Sperl, oder das Hawelka und als damals Starbucks nach Wien gekommen ist, gab’s hämische Stimmen, die meinten, das geschehe dem berühmten Wiener Kaffee recht, der sei nämlich eh ungenießbar.

Die Wahrheit liegt dazwischen. Mir fallen auch ein paar berühmte, aber eigentlich grausliche Kaffeehäuser ein. Jetzt ist aber nicht die Zeit, sich darüber zu beschweren.

Zeitung lesend im Kaffeehaus sitzend, so hat das Redaktionskomitee der Wiener Ansichten einst viele Lateinstunden verbracht. Der Herr Bertl im Café Fichtl hat ungefragt immer Guglhupf zum Kaffee gebracht, man musste ihn essen, denn den hatte „die Frau Chefin ganz frisch gemacht“. Und die Frau Chefin und der Herr Bertl, das waren Autoritäten. Wo das Fichtl war, sag ich nicht, denn sonst sind wir wieder in dem Bezirk, der mit F beginnt und mit -loridsdorf endet. (Liebe Kinder! Schule schwänzen ist schlecht. Und wer das Latinum später nachholen muss, beißt sich in den Hintern).

Das Fichtl gibt’s schon lang nicht mehr und Kinder, die im Kaffeehaus Schule schwänzen, auch nicht. Heute sitzen sie beim McDonald’s. Der ist aber nicht schuld daran, dass es, wie unlängst ein Freund aus der Branche prognostizierte, demnächst „20 Prozent der Wiener Lokale aufstellen“ wird. Dass es vielleicht auch vermeintliche Institutionen treffen könnte. Schuld daran sind die, die Verluste bejammern, aber nichts dagegen tun.

Sie und ich, gehen wir doch auf einen Kaffee.

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