Maria In der Maur-Koenne ist Rechtsanwältin in Wien

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Kolumnen
11/09/2019

Wie vermache ich meinen Enkelinnen eine Wohnung?

Die Rechtsanwältin Maria In der Maur-Koenne beantwortet juristische Fragen zu praktischen Fällen aus dem großen Reich des Rechts.

von Maria In der Maur-Koenne

Als ich zu Allerheiligen am Friedhof war, wurde mir wieder bewusst, dass auch ich mir Gedanken für den Fall meines Todes machen sollte. Ich wohne inzwischen fast das ganze Jahr in meiner Wohnung auf Mallorca und komme nur noch selten nach Wien. Meine Enkelin kommt mich häufig besuchen und genießt die Sonne mit mir. Ich möchte daher, dass meine Enkelin die Wohnung nach meinem Tod bekommt. Meine andere Enkelin soll meine Wohnung in Wien, in der sie ohnehin schon wohnt, bekommen.

Meine beiden Söhne haben eigene Wohnungen und auch immer wieder gesagt, dass es ihnen in Mallorca nicht gefällt. Sie sollen sich den Rest, der ohnehin auch nicht wenig ist, teilen. Muss ich für so eine Regelung ein Testament machen?

Gerti L., Wien

Liebe Frau L., Sie schreiben, dass Sie Ihren Lebensabend auf Mallorca verbringen. Zuerst stellt sich daher die Frage, welche Rechtsordnung überhaupt für ein Verlassenschaftsverfahren nach Ihrem Tod anwendbar wäre.

Wo jemand verstirbt, spielt dafür keine Rolle. Sehr wohl aber, wo der Verstorbene seinen letzten gewöhnlichen Aufenthaltsort hatte.

Aufgrund der EU-Erbrechtsverordnung ist nämlich das Recht des letzten gewöhnlichen Aufenthaltsorts des Verstorbenen auf sein Verlassenschaftsverfahren anzuwenden. Schon um zu verhindern, dass daher spanisches Recht auf Ihre Verlassenschaft zur Anwendung kommt, müssen Sie ein Testament verfassen und darin ausdrücklich eine Rechtswahl zugunsten des österreichischen Rechts treffen.

Ohne Testament würde nach österreichischem Recht das gesetzliche Erbrecht greifen. Danach sind nur Ihre beiden Söhne erbberechtigt und ohne Testament würden daher Ihre beiden Enkelinnen leer ausgehen. Ihre gesetzlichen Erben sind Ihre beiden Söhne, die ohne eine andere Verfügung jeweils die Hälfte Ihres Nachlasses erben. Um Ihren Enkelinnen die Wohnungen in Spanien und Wien zu hinterlassen, ist es notwendig, ihnen die Wohnungen jeweils in Form eines Legats zu vermachen. Dies geht im Rahmen einer letztwilligen Verfügung, also auch in einem Testament.

Ihren beiden Söhnen haben Sie zumindest jeweils den Pflichtteil zu hinterlassen. Der Pflichtteil ist die Hälfte des gesetzlichen Erbrechts und daher im Fall Ihrer beiden Söhne jeweils ein Viertel. Sie können daher nur über die Hälfte Ihres Vermögens ganz frei verfügen, die andere Hälfte teilen sich jedenfalls Ihre Söhne als Pflichtteil. Stellen die beiden Wohnungen weniger als die Hälfte Ihres Vermögens dar, sind die Legate zugunsten Ihrer Enkelinnen problemlos möglich.

Beachten Sie bei der Errichtung Ihres Testaments die teilweise strengeren Formvorschriften seit Anfang 2017. Weiterhin können Sie eigenhändig ein Testament ohne Zeugen schreiben und unterschreiben. Wenn Sie das Testament am Computer schreiben wollen, müssen Sie es mit dem Zusatz „mein Testament“ unterschreiben. Gleichzeitig müssen drei nicht begünstigte Personen, deren Identität später feststellbar ist, anwesend sein und als Testamentszeugen unterschreiben.

Sinnvoll ist es, ein Testament bei einem Rechtsanwalt registrieren zu lassen. Dieser kann dann auch gleich die Einhaltung der Formvorschriften kontrollieren und mit Ihnen gemeinsam überprüfen, ob die Formulierung Ihren letzten Willen richtig wiedergibt.

rechtpraktisch@kurier.at

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