Kolumnen
12/02/2019

Wie man Vielreisende überhaupt noch überraschen kann

Bei Überraschungsreisen erfährt man erst am Startpunkt, wo es hingeht. Das ist aufregend, findet Caroline Kaltenreiner.

von Caroline Kaltenreiner

Wenn das Reisen der Job ist, ist es nicht so einfach, dabei noch überrascht zu werden. Aber es geht. Zum einen, wenn man ein Land besucht, über das man nicht viel weiß (haben Sie schon die Geschichte über Surinam  gelesen?) und zum anderen, wenn man tatsächlich überrascht wird.

Der Veranstalter unplanned.de aus München hat sich darauf spezialisiert und ich durfte das im vergangenen Jahr testen. Ich habe einen Fragebogen mit meinen Vorlieben ausgefüllt, konnte angeben, was ich gar nicht mag und erhielt eine Woche vor Abreise ein schwarzes Kuvert mit den Unterlagen – inklusive der Aufforderung, es nicht zu öffnen, um mir die Überraschung nicht zu verderben. Lediglich die Info über Uhrzeit und Startpunkt, Packliste und Wetterprognosen bekam ich vorab als Mail.

Lustig und interessant war, dass nicht nur meine Begleitung und ich dem Tag X entgegenfieberten, sondern auch unser Umfeld. Kaum jemand, der nicht einen Tipp abgegeben hat, wohin es gehen würde.

Und dann kam der Moment, Freitagmorgen am Flughafen Wien. Meine Begleitung öffnet das Kuvert und schreit: „Opatija! Wo zur Hölle ist das?“ Zu ihrer Verteidigung: Sie ist Deutsche und kann die k. u. k. Kurorte nicht im Schlaf aufzählen. Gefallen hat’s uns übrigens sehr gut und richtig getippt hat niemand. Man kann also von einer gelungenen Überraschung sprechen.

Warum ich jetzt darauf komme? Kürzlich erhielt ich eine Nachricht des Veranstalters: Ab dem 1. Dezember stellen sie dem Kunden nicht mehr frei, den -Ausstoß zu kompensieren – alle gebuchten Reisen werden automatisch klimaneutral. Das gilt sowohl für Zug- als auch Flugreisen. Zugleich wurden die Zugreisen attraktiver gestaltet. Das gefällt mir und will ich Ihnen gerade vor Weihnachten nicht vorenthalten, können Sie doch mit so einer Reise nicht nur Ihre Lieben überraschen, sondern auch sich selbst.

Es gibt übrigens noch eine dritte Art, wie man als Reiseprofi überrascht werden kann. Wenn man mit einem Rucksack voller Vorurteile ein Land oder eine Stadt besucht und eines Besseren belehrt wird. Das ist eigentlich die schönste Art der Überraschung.