Wenn man Länder bereist, in denen Diktatoren wüten

Auf Reisen wird Caroline Kaltenreiner immer wieder überrascht, wenn vorgefertigte Meinungen auf Lebensrealität treffen.
Caroline Kaltenreiner

Caroline Kaltenreiner

Die Nachricht von Robert Mugabes Tod am Freitag mag für viele nur eine weitere Meldung im Tagesgeschehen sein, ich bin an dieser Nachricht etwas näher dran. Denn ich war gerade in Simbabwe, dem Land, das der Diktator jahrelang brutal geführt und wirtschaftlich ruiniert hat. Wenn man dieses arme Land bereist, scheint als westlicher Tourist die Sache glasklar: Mugabe ist … war böse. Umso größer ist dann die Verwunderung, als die Reiseleiterin erzählt, dass es in jeder größeren Stadt im südlichen Afrika eine Robert-Mugabe-Straße gibt. Echt jetzt? Ja, sagt sie, denn man dürfe nicht vergessen: Bevor Mugabe zum Diktator wurde, war er Freiheitskämpfer – und genau dafür wird er bis heute von vielen verehrt. Noch einmal: Echt jetzt? Trotz aller Gräueltaten, für die er in seiner Regierungszeit verantwortlich war, hört man heute noch Positives: Das Bildungsniveau sei so hoch, weil Mugabe eine lange Schulpflicht eingeführt hat. Fragt man genauer nach, sieht die Sache natürlich anders aus, weil kein Mensch kontrolliert, ob die Kinder tatsächlich in die Schule gehen, Bildung extrem teuer ist und der Staat keine Subventionen springen lässt. Als Vielreisender besucht man immer wieder Länder, deren politische Systeme von fragwürdig bis nicht akzeptabel rangieren. Thailand, Ungarn, Türkei – neuerdings öffnet sich auch Weißrussland. Man hat zuvor eine klare Meinung und wird vor Ort oft überrascht oder erschüttert, wenn ein Mensch gegenüber steht, der erstens mit und in dieser Realität leben muss und zweitens vielleicht eine andere Meinung hat – sogar Fan von dem bösen Diktator ist.

caroline.kaltenreiner@kurier.at

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