Kolumnen
02/24/2019

Wem die Stunde schlägt

Über die Zeitnehmer-Panne kann, wenn man nicht gerade zu den Betroffenen zählte, geschmunzelt werden.

von Wolfgang Winheim

Just im Schweizer Nobelort Crans-Montana, wo gefühlt jeder zweite Gast hochkarätiges Gold ums Handgelenk trägt, gingen die Uhren bei der Weltcup-Abfahrt anders. Schien die Zeit bei einigen Renndamen stehen geblieben zu sein. So wie vor 50 Jahren, als man in Kitzbühel Karl Schranz aufgrund einer Uhrenpanne erst nachträglich zum Sieger erklärt hatte. Und ein gewisser Joseph Blatter dem Herrn Karl vom Arlberg mit schlechtem Gewissen bis ins Hotel nachgelaufen war.

Aus dem für die Schweizer Zeitnehmung beim Hahnenkammrennen 1969 Verantwortlichen ist später der mächtigste Mann im Weltfußballverband geworden. Ehe für Uhren-Sepp 2016 sein letztes Stündlein als FIFA-Präsident schlug.

Über die aktuelle Schweizer Zeitnehmer-Panne kann, wenn man nicht gerade zu den Betroffenen zählte, geschmunzelt werden. Die nicht enden wollende Verletzungsserie hingegen löst Ratlosigkeit aus. Selbst zur Schranz’ Zeiten, als nur Holzzäune und vereiste Strohballen als Pistenbegrenzung dienten,war die Opferliste nicht so lang. Jetzt steht auf ihr auch Marco Schwarz drauf.

Der dreifache WM-Medaillengewinner ist nicht gestürzt und trotzdem das jüngste Promi-Opfer des ÖSV. Dem Zielsprung beim Kombi-Super-G in Bansko hielt das linke Knie des jungen Kärntners nicht stand. Marcel Hirscher meisterte den Super-G mit dosiertem Risiko. Im Gegensatz zu seinem (erfolgreichen) ersten Aufenthalt in Bulgarien vor sieben Jahren verfügt er über mehr Weitblick. Was auch an seiner besseren Sehkraft liegt.

Die Bansko-Siege 2012 und das WM-Gold in Schladming 2013 hatte Hirscher noch kurzsichtig (= ohne Brille und ohne Kontaktlinsen) errungen. Danach ließ er seine Augen lasern. So einer Operation unterzogen sich auch Lindsey Vonn, Bode Miller und Rainer Schönfelder. Der erste Skistar, der dies wagte, war Marc Girardelli im letzten Jahrtausend in Mailand, als die OP noch als Risiko galt und auch Kontaktlinsen noch nicht jedermann/frau Sache waren. „Aber ich hatte ein Schlüsselerlebnis.“

Girardelli, 55, erinnert sich, wie ihm in Aspen (Colorado) bei der Weltcup-Abfahrt in der Kompression plötzlich die Kontaktlinsen völlig verrutschten. „Halbblind bin ich damals gerade noch ins Ziel gekommen.“

Mittlerweile ist Girardelli Hauptaktionär der modernsten Skistation am Balkan. Aufgrund der Wetterprognose kann der fünffache Weltcupgesamtsieger damit rechnen, dass der Riesenslalom in Bansko auf der nach ihm benannten Piste zu keinem Blindflug ausartet.

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