Kolumnen
05/10/2019

Was auch keine Art ist

Manche Orte wollen nicht gentrifiziert werden. Favoriten zum Beispiel bleibt schaumweinfrei.

von Barbara Mader

Neulich waren die Berliner wieder da. Sven Regener und die Band Element of Crime kommen in Wien mit ihren sympathischen Intellektuellen-Schlagern gut an: Sie singen von vertrottelten Autofahrern, Ödön von Horváth und der Restaurant-Kette Wienerwald. Bei dieser ähnlichen Interessenslage ist es kein Wunder, dass die Verbindung Wien-Berlin von Wohlwollen gekennzeichnet ist.

Dieser Tage beneidet uns die Stadt Berlin um die Errungenschaften des sozialen Wohnbaus. Berlin leidet unter den Problemen, die die sogenannte Gentrifizierung mit sich bringt: Die Aufwertung von Grätzeln, die die Mieten in unleistbare Höhen schießen lässt. Nachdem an dieser Stelle jüngst Kritik an den hässlichsten Plätzen Wiens geübt wurde, erinnerte Leser O. an den Reumannplatz und den kolportierten Wunsch des Bezirks, diesen schlichten Ort mit einer Prosecco-Bar auszustatten. Wir haben nachgefragt: Das Investoren-Interesse war enden wollend. Favoriten bleibt schaumweinfrei.

Die Idee, ein weniger schönes Fleckerl ein Aitzerl attraktiver zu machen, ist an sich nichts Verwerfliches, solange es nicht auf Kosten derer geht, die sich nur das alte Schirche und nicht das neue Schöne leisten können.

Es würden uns einige in Frage kommende Gegenden einfallen. Hier kommt nun wieder der Matzleinsdorferplatz ins Spiel. Wo nicht nur Schönheit, sondern auch Zweckmäßigkeit fehlen. Dass es dort trotz zahlreicher Umsteigemöglichkeiten keine Toiletten gibt, ärgert wie berichtet viele. Leser L. macht außerdem darauf aufmerksam, dass auch der Verkehrsknoten Kagran keine entsprechende Einrichtung hat. Man wird bei Bedarf förmlich ins benachbarte Donauzentrum hineingezwungen, was ja auch keine Art ist.

Apropos: Gar nicht vornehm ist, wie man mit dem Kunstwerk von Lawrence Weiner am Flakturm im Esterhazypark umgegangen ist. Das Anti-Kriegs-Statement Smashed to pieces (in the still of the night) fiel dem Umbau zum Opfer, der Künstler wollte angesichts der Umstände auch nicht mehr. Nun prangt dort eine Imitation seines Werks. Zu Werbezwecken. Einfach Schäbig.