Über den Tellerrand
05/05/2020

Verstecktes Lammsuppenrezept, getarnt als Reiseentwarnung

Es wäre schon alleine deswegen gut, wieder zu reisen, damit die Isländer ihre Lammsuppe nicht mehr alleine essen müssen.

von Axel Halbhuber

Wir bekommen derzeit viel Post gleichen Inhalts: Die Tourismusverbände sehr vieler Länder und Regionen wollen unseren Leserinnen und Lesern dabei das Fernbleiben durch Erinnerungen an ihr gutes Essen erleichtern. Dankenswerterweise senden die meisten auch gleich Rezepte mit (nicht alle, was mich immer wieder stutzig macht).

Und so sitze ich also im Daheimbüro, ernähre mich von schnell Zugänglichem, während ich aber maledivische Fischsuppen und israelische Petersiliensalate auf den Bildschirm geworfen bekomme. Und in dieser Diskrepanz wächst – nebst einer tiefen kulinarischen Unzufriedenheit – der Wunsch, endlich wieder zu all den Empanadas, Pho Bos, Ceviches, Nasi Gorengs, Tajines, Beshbarmaks, Paellas, Amoks, Pies, Asados, Borschtschs (sagen Sie das mal laut), Tsukemonos und Biltongs zu reisen, sogar zu den Plumpuddings und Cuys (Meerschweinchen, Peru).

Das Essen dieser ganzen Welt

Weil in diesem Sud aus Sehnsucht aber vor allem jene Länder ins Auge stechen, die man noch nicht bereist hat (Stichwort: aber ich wollte doch noch nach ...), fehlen mir kurioserweise auch jene Speisen am meisten, die ich noch nie gegessen habe, weil ich eben noch nicht im dazugehörigen Land war.

Weshalb ich seit Tagen Lust auf Kjötsupa habe.

Diese isländische Lammfleischsuppe scheint mir mittlerweile das Herbeizusehnendste überhaupt zu sein, und wenn es einen Grund gibt, gegen die Schon-oder-doch-nicht-Ausgangsbeschränkungen der Regierung zu verstoßen, dann nur, um nach Island zu schwimmen und endlich diese Suppe zu löffeln. Schließlich verspricht der Tourismusverband, dass sie nicht nur bekömmlich ist, sondern auch noch wohltuend bei nassem Aprilwetter wirkt, und nach einer spannenden Wanderung über das weite Lavafeld einfach dazugehört. Neben dem Lavafeld fehlen mir zum Glück derzeit (für 4 Portionen): 1,2 kg Lammschulter, 1 L Wasser mit 3 TL Salz, 3⁄4 Tasse Reis, 600 g Kohlrüben, 500 g Karotten, 2 Tassen gehackte Zwiebeln, 20 Pfefferkörner in einem Tuch, 20 g gehackte Petersilie, Salz und Pfeffer.

Dann könnte ich das Fleisch vom Knochen lösen und anschließend in mundgerechte Würfel schneiden. Dann mit den Pfefferkörnern in Salzwasser 60 Minuten langsam kochen, den Schaum abschöpfen, währenddessen Kohlrüben und Karotten schälen und fein würfeln. Ich würde Reis, Zwiebeln, Karotten und Kohlrüben in den Topf dazugeben und weitere 20 Minuten kochen lassen, mit Salz, Pfeffer und Petersilie würzen. Mir das auf einen Teller gießen, und endlich einmal in Island sein.

axel.halbhuber@kurier.at

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