Kolumnen
01/22/2021

Dichtung und Wahrheit

Der Tag, an dem die Lyrik der Politik - und den Showstars - die Show stahl.

von Birgit Braunrath

Eine junge Frau hat dieser Tage bewiesen: Gedichte schreiben Geschichte, wenn man sie lässt. Das Gedicht, das Amanda Gorman, 22, anlässlich von Joe Bidens Amtseinführung vortrug, war mehr als die Fortschreibung des Vermächtnisses großer Schriftstellerinnen und Bürgerrechtsaktivistinnen, wie Maya Angelou und Elizabeth Alexander, denen vor Gorman die Ehre des „Inaugural Poems“ zuteil wurde.

Amanda Gormans Gedicht "The Hill We Climb", in dem sie über Spaltung, Versöhnung und den Generationenvertrag sprach, klang wie ein längst überfälliger Appell an die Welt. Ein Ausschnitt des Gedichts sei hier all jenen ans Herz gelegt, die eines haben:

Und so heben wir unsere Blicke, nicht um zu sehen,

was zwischen uns, sondern was vor uns liegt

Wir überbrücken das Trennende, denn wir wissen,

wenn unsere Zukunft an erster Stelle steht,

müssen wir unsere Konflikte beiseiteschieben

Wir legen unsere Waffen nieder

damit wir einander unsere Arme entgegenstrecken können

 

 

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