Warum große Investoren nicht automatisch helfen
Über das Vermögen der Ratschens Restaurant & Wohnthek GmbH mit Sitz Am Ratschen 5 in 7474 Deutsch-Schützen wurde am Landesgericht Graz ein Konkursverfahren eröffnet.
Die Insolvenz der Ratschen in Deutsch Schützen ist mehr als das Scheitern eines bekannten Gastronomiebetriebs. Sie ist auch das Scheitern einer Haltung, die man im Südburgenland seit einigen Jahren immer öfter beobachten kann: der Glaube, dass ein großer Investor schon deshalb ein Gewinn für die Region sein müsse, weil er groß auftritt, groß verspricht und groß denkt.
Natürlich braucht gerade das Südburgenland Investitionen, um sich zu entwickeln. Essenziell ist jedoch, dass die Entscheidungen der Verantwortlichen auf Fakten basieren – und nicht auf Leichtgläubigkeit. Denn dann lässt man sich von großen Ankündigungen, schönen Bildern und den vertrauten Versprechen von Arbeitsplätzen, Glanz und Aufschwung zu rasch beeindrucken. Genau dort beginnt das Problem. Nicht der Investor ist die Gefahr, sondern die politische und gesellschaftliche Neigung, sich allzu leicht beeindrucken zu lassen.
Nüchternheit ist gefragt
Dann wird nämlich nicht mehr streng genug gefragt, ob ein Projekt wirklich tragfähig ist. Im Fall der Ratschen war es ja nicht das Restaurant, das für die Pleite verantwortlich war, sondern vielmehr die zahlreichen Projekte des Investors, von denen offenkundig zu viele nicht das hielten, was er sich versprochen hatte. Mit dem vorläufigen Aus des Gastronomiebetriebs – ein neuer Geldgeber wird bereits gesucht – wankt jedenfalls die Erzählung, dass der Einstieg eines finanzstarken Investors automatisch Stabilität bringt. Und neu ist dieses Muster nicht – man denke nur an die gescheiterte Sonnenresidenz in Eberau, die nach dem Kollaps deutlich kleiner weiterentwickelt wurde.
Das Südburgenland braucht keine Investorenromantik, sondern Nüchternheit. Wer Kapital von außen begrüßt, muss es umso härter prüfen. Darauf lässt sich dann im Fall der Pleite auch verweisen. Ansonsten bleibt bei den Bürgern der Eindruck hängen, dass sich Kommunalpolitiker nur allzu leicht blenden lassen.
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