Kilger-Insolvenz: Gespräche über Zukunft der Betriebe laufen
Die Ratschen im Südburgenland stehen vor einer ungewissen Zukunft: Die Eigentümergesellschaft ist insolvent.
Über die Domaines Kilger GesmbH aus der Steiermark wurde ein Konkursverfahren eröffnet. Die Gesellschaft ist Eigentümerin der Ratschen sowie einer Liegenschaft in Deutsch Schützen im Bezirk Oberwart. Ob das Ratschen Restaurant und Wohnothek nach der Winterpause im März wieder aufsperren kann, ist daher ungewiss.
Die Ratschen-Betriebsgesellschaft ist derzeit nicht insolvent. Sie ist eine 100-Prozent-Tochter der Domaines Kilger.
Zum Masseverwalter wurde der Grazer Rechtsanwalt Michael Pacher bestellt. Er soll sich nun einen Überblick über die wirtschaftliche Situation verschaffen.
Legt Hans Kilger einen realistischen Sanierungsplan vor und wird dieser von den Gläubigern akzeptiert, könnte das Unternehmen fortgeführt werden. Andernfalls wird das Vermögen verwertet. Dazu gehört auch die Liegenschaft der 2006 von Gerda und Josef Wiesler gegründeten Ratschen.
Gespräche über mögliche Fortführung
Im Zusammenhang mit dem laufenden Insolvenzverfahren der Domaines Kilger GmbH & Co. KG laufen laut Aussendung Gespräche mit dem Masseverwalter. Dabei soll die wirtschaftliche Situation der einzelnen Betriebe geprüft und mögliche Zukunftsperspektiven ausgelotet werden.
Rechtsanwalt Johannes Zink, der Unternehmer Hans Kilger vertritt, erklärte, der Masseverwalter verschaffe sich derzeit einen vollständigen Überblick über die wirtschaftliche Lage der einzelnen Gesellschaften. Parallel dazu werde daran gearbeitet, „tragfähige Lösungen für möglichst viele Betriebe zu entwickeln“. Ziel sei es, wirtschaftlich gesunde Strukturen zu erhalten und Arbeitsplätze in den Regionen zu sichern.
Als Betriebe, die weitergeführt werden sollen, werden das Weingut, der Jaglhof, das Schloss Gamlitz, der Stupperhof sowie die Peterquelle genannt.
Zink verwies außerdem auf ein schwierigeres Marktumfeld für Gastronomie und Hotellerie. Gestiegene Kosten, Inflation und ein verändertes Konsumverhalten hätten viele Betriebe vor große Herausforderungen gestellt.
Kilger selbst erklärte laut Aussendung, die Situation sei „für alle Beteiligten belastend“, insbesondere für Mitarbeiter, Partner und Lieferanten. Man unterstütze die Prüfung durch den Masseverwalter und arbeite an möglichen Lösungen für Betriebe und Arbeitsplätze.
Entscheidungen darüber, in welcher Form einzelne Betriebe weitergeführt werden können, sollen erst nach Abschluss dieser Evaluierung fallen.
Insolvenzverfahren gegen Domaines Kilger
Die Domaines Kilger GmbH & Co KG mit Sitz im steirischen Gamlitz ist nach einem Insolvenzantrag Ende Februar inzwischen insolvenzbehördlich geschlossen worden. Das bestätigte Markus Graf vom Alpenländischen Kreditorenverband (AKV).
Zahlen über die Vermögenswerte liegen derzeit nicht vor. Laut Graf sei Hans Kilger auf „Tauchstation“, auch aus seiner Kanzlei seien keine Kennzahlen zu erhalten.
Laut Graf vom Alpenländischen Kreditorenverband (AKV) sei Hans Kilger (Bild) auf „Tauchstation“, aus seiner Kanzlei seien keine Kennzahlen zu erhalten.
Der Insolvenzantrag war von Gläubigerseite gestellt worden. Das Konkursverfahren wurde am 23. Februar eröffnet. Direkt betroffen sind 32 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Zahlreiche Beteiligungen betroffen
Die Domaines Kilger ist großteils zu 100 Prozent an mehreren Unternehmen beteiligt. Dazu zählen unter anderem Schloss Gamlitz, das Ratschen Restaurant und Wohnothek in Oberwart, die Adhara Wine & Food GmbH, die Domaines Kilger Ölmühlen GmbH, die Domaines Kilger Wein GmbH sowie das Plabutscher Schlössl.
Bei der Gourmondo Handelsgesellschaft m.b.H. sowie der Schiefer & Domaines Kilger GmbH gab es bereits Solvenzprobleme und Konkursverfahren. Auch die Domäne Müller und Steirerwein waren von Insolvenzen betroffen.
Laut Graf lebte die Domaines Kilger GmbH & Co KG offenbar hauptsächlich von Erträgen ihrer Beteiligungen. Wenn die finanziell von den Töchtern abhängige Muttergesellschaft strauchelt, könne das ein Hinweis darauf sein, dass auch die Beteiligungen wirtschaftlich unter Druck stehen.
Die kommenden Wochen und Monate sollen zeigen, in welchem Ausmaß Tochterunternehmen von den finanziellen Schwierigkeiten betroffen sind.
Investor mit weitreichendem Netzwerk
Gerüchte über wirtschaftliche Probleme bei Unternehmen des bayerischen Investors Hans Kilger in der Südsteiermark und im Burgenland gab es bereits länger. In den vergangenen Jahren kam es wiederholt zu finanziellen Schwierigkeiten bei Firmen mit Kilgers Beteiligung.
Noch vor wenigen Jahren war Kilger in der Region als Investor gefeiert worden. Dem Vernehmen nach wollte er rund 50 Millionen Euro investieren, um teils wirtschaftlich angeschlagene Betriebe zu übernehmen und wieder auf Vordermann zu bringen. Die angekündigten Gelder blieben jedoch häufig aus.
Es gab Kooperationen mit Walter Polz, außerdem wurde die Mineralwassermarke Peterquelle aus Deutsch Goritz übernommen. Das Netzwerk von Kilger reicht zudem zu Betrieben in München („Kilgers Weinhäusl“), in Rheinland am Markt („Stromburg“) und nach Wien („am Naschmarkt“).
Die Unternehmensgruppe der Domaines Kilger beschäftigte noch vor wenigen Jahren rund 230 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Der Hauptsitz sowie das dazugehörige 80 Hektar große Weingut befinden sich im und um das Schloss Gamlitz.
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