Kolumnen
07/24/2021

Die Traude-Diktatur: Wie man Putz-Damen den nötigen Respekt zollt

Polly Adler versucht, nicht dem Klischee der nichtsnutzigen Stadt-Tusnelda zu entsprechen.

von Polly Adler

Vor ihrer Abfahrt gab uns die Hausherrin, deren Anwesen mit Seeblick wir im Salzburgischen geborgt bekamen, letzte Instruktionen: „Ihr dürft alles, laut Musik machen, die Prosecco-Vorräte dezimieren, aber bitte verärgert mir die Floor-Managerin nicht.“ – „Wen?“ – „Das ist die Traude, also für euch die Frau Traude, so will sie genannt werden, und Floor-Managerinnen  sind in dieser Gegend so rar wie Lotto-Sechser.“ – „Wir sind aber schon groß und können auch selber putzen.“ – „Das würde sie niemals zulassen. Wir alle können ihren Hygiene-Anforderungen nicht gerecht werden. Also bitte benehmt euch, sie bekommt einen Kaffee mit Schaum und ein Kipferl, Mürbteig zwingend. Mittwoch 9 Uhr.“ Am Dienstag gingen wir sehr früh schlafen, denn wir waren müde vom Räumen und Wischen, schließlich wollten wir die Putz-Kaiserin nicht enttäuschen und ihrem Klischee von nichtsnutzigen Stadt-Thusneldas nicht entsprechen. Wir standen Spalier, als sie bewaffnet mit eigenen Besen und Mopps die Auffahrt hinaufschritt. Sie taxierte uns streng: „Griaß enk. A scho auf?“ – Wir nickten beschämt, denn üblicherweise reckten wir die Nasen erst gegen elf aus den Daunen. Nach dem Kaffee, den sie ihrem Blick nach mäßig gelungen fand, fragten wir schüchtern, ob wir ihr zur Hand gehen könnten. Sie schüttelte den Kopf: „Seig wuscht woi 's Irgest saî, es Dirndaln!“, was soviel bedeutete wie „Soweit kommt’s noch, ihr Fuffis.“ Dann verband sie ihr iPhone  und ließ dröhnend den „Rammstein“-Song „Keine Lust“ ertönen. Der Tag endete mit einer Prosecco-Jause mit Frau Traude, denn sie hatte irgendwann beschlossen, uns Rammstein-Traumatisierten zu mögen. Es hatte etwas mit Respekt und Wertschätzung zu tun, wie sie uns erklärte. Gefühle, die sie bei ihrem Job nicht oft bekam: „Ihr habt’s mi g’sehen. Die anderen Leit’ interessier’ i koa Batzl net.“ So einfach ist/wäre das. Und: In wahrer Wirklichkeit funktionieren wir alle so. 

Pollys „Nymphen in Not“ im Rahmen der Wiener „Sommer-Rhapsodie“ am 27.7. um 19 Uhr 30
polly.adler@kurier.at

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