Kolumnen
05/19/2019

Phil Collins statt Alaba und Bäume statt Bällen

Ein Nationalstadion, wie es ÖFB-Chef Windtner und Ex-Sportminister Strache wollen, wird es vorerst nicht geben.

von Wolfgang Winheim

Erstmals seit 22 Jahren, seit Viennas 1:2-Cupfinalniederlage gegen Sturm, darf Österreichs ältester Fußballklub im Happel-Stadion spielen. Am Mittwoch, wenn der bald 125-jährige Fünftliga-Spitzenreiter Gegner von Viertligist Elektra im Wiener Toto-Cup-Finale ist. Nach dem Amateur-Match, bei dem sich die Vienna eine 5000-Euro-Siegesprämie und 1500 Zuschauer erhofft, geben im 48.000er-Oval nur noch Musik-Profis den Ton an. Am 2. Juni Phil Collins, am 17. Juli Bon Jovi und im August Metallica, dann Rammstein – und am 31. 8. Andreas Gabalier.

Fußball gespielt wird im größten Wiener Fußball-Stadion, wenn überhaupt, heuer nur noch ein einziges Mal (gegen Israel). Weil das Verhältnis zwischen dem roten Stadionbetreiber und dem schwarz dominierten ÖFB kein rosiges ist. Und weil Fußballfans die breite (seit 15 Jahren nicht einmal mehr für Leichtathletikmeisterschaften geeignete) Laufbahn ohnehin als Stimmungstöter empfinden.

Ein Nationalstadion, wie es ÖFB-Chef Leo Windtner und Ex-Sportminister Heinz-Christian Strache wollen, wird mit öffentlichem Geld frühestens dann gebaut, wenn David Alaba Rentner ist. Abgesehen davon, dass Strache ab sofort andere Sorgen hat. Käme es zu einer Bürgerbefragung, würde sie (wie Olympia-Abstimmungen) wohl mit einem Nein enden. Zumal der Fußball kaum wo in Europa einen geringeren gesellschaftlichen Stellenwert als hierzulande hat. Oder wussten Sie,

... dass eine Kulturlobby jahrelang, wenn auch letztlich erfolglos, den Salzburger Stadionbau in der nunmehrigen Fußball-Hauptstadt hatte verhindern wollen?

... dass der Kärntner Bundesligaklub Wolfsberg Europa-League-Spiele mangels einer international tauglichen Sportstätte außerhalb Kärntens austragen müsste?

... dass nach dem Klagenfurter Qualifikationsmatch ÖsterreichSlowenien (7. Juni) ein Matchbetrieb monatelang undenkbar ist, weil das Spielfeld des Wörtherseestadions für ein Kunstprojekt mit vielen Bäumen verziert wird?

... dass das Linzer Stadion um 31 Millionen Euro renoviert wurde, ohne dass es attraktiver geworden ist?

... und dass Vizemeister LASK für eine Europa-League-Zukunft auf einen Neubau an der Linzer Peripherie hofft?

Anrainerproteste sind schon erfolgt. Und teils nachvollziehbar. Nur: Sollte nicht auch ein Aufschrei erfolgen, wenn in Österreich täglich eine Fläche von bis zu zehn Fußballplätzen verbaut wird, jährlich aber kaum halb so viele neue entstehen?

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