Über den Tellerrand
08/23/2021

Man muss auch mal in vollkommen fremdes Obst beißen

Manchmal muss man das fremde Obst kosten, auch wenn man dann ein bisschen leidet, findet Axel N. Halbhuber.

von Axel Halbhuber

Kollege Hofer schreibt diese Woche auf Seite 6 über Japanische Weinbeeren und wer jetzt „Kenn ich eh“ ruft, wird von mir mit dem Auge des Misstrauens betrachtet. Noch nie habe ich von dieser Nipponfrucht gehört, geschweige denn davon gekostet, nicht einmal kann ich mir den „süßlich-klebrigen“ Geschmack vorstellen. Aber ich glaube dem Kollegen Hofer fast alles, daher wird das wohl so sein.

Außerdem glaube ich an eine Beerenvielfalt, die sich bis weit hinter den eigenen Wahrnehmungshorizont erstreckt, seit ich heuer in Usbekistan Maulbeeren gegessen habe. Die sind einem ja als Begriff geläufig, aber haben Sie schon einmal eine gegessen? Man muss dafür nicht nur dort sein, wo sie wachsen, sondern auch zur richtigen Zeit und dann darf man sich nicht darüber ärgern, dass sie vom Baum auf einen runterregnen, sondern muss sich darüber freuen. Und wenn man sie dann ungewaschen am Markt angeboten bekommt, muss man sich auch trauen. Aber es lohnt sich, das sage ich Ihnen. Und wer eine Maulbeere kostet, wird das Geschmacks- prädikat „süßlich-klebrig“ besser verstehen.

Das Unbekannte ist so gut

Es lohnt generell, auf Reisen immer wieder zum Unbekannten zu greifen, auch wenn dem Marktobst in exotischen Ländern manchmal eine gewisse stoffwechselige Unpässlichkeit folgt. Manchmal muss man da durch, denn welche fruktalen Köstlichkeiten in allen möglichen Farben da weltweit auf einen warten, erweitert viele Reisen um noch eine Dimension.

Und eigentlich muss man für diese Neuentdeckung nicht einmal weit reisen. Demnächst werden zum Beispiel die Pastinaken erntbar und die wachsen auf den Feldern des Landes. Wer jetzt spöttisch sagt, dass die Pastinake ja wohl nichts Unbekanntes sei und dass er sie schon immer gegessen habe, der möge einmal auf der Straße zehn Menschen fragen, ob sie Pastinaken kennen.

Entdeckungen beginnen – wie das Reisen – vor der eigenen Haustüre.

axel.halbhuber@kurier.at

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