Kralicek geht essen: Der Feind in meinem Stammcafé

Wiener Kaffeehäuser sind nicht zuletzt deshalb großartige Institutionen, weil von einer Krise des Printjournalismus dort keine Rede sein kann.
Wolfgang Kralicek

Wolfgang Kralicek

Ein umfangreiches Angebot an gedruckten Tageszeitungen gehört zur Grundausstattung, und es wird dankbar angenommen: Manche Gäste arbeiten sich stundenlang durch die Gazetten. Das ist schön zu sehen, kann aber auch zum Problem werden – für andere Gäste, die darauf warten, dass eine bestimmte Zeitung endlich „frei“ wird. Besonders umkämpft ist die Süddeutsche Zeitung. Dass davon – anders als von den heimischen Blättern – meist nur ein Exemplar aufliegt, reicht als Erklärung nicht aus; dasselbe gilt nämlich auch für die Frankfurter Allgemeine, die Neue Zürcher oder Die Welt, und um die ist deutlich weniger Griss. Die Süddeutsche scheint in Wien besonders beliebt zu sein – mit dem Zug sind es ja nur vier Stunden bis München.

Im Ritter, einem meiner Stammcafés, ist die Süddeutsche fast nie frei; meistens hat sie ein anderer Stammgast okkupiert, der anscheinend im Ritter wohnt – und stets einen ganzen Berg Zeitungen neben sich liegen hat. Eine Unart, die dazu führt, dass ich früher oder später an seinen Tisch gehen und fragen muss, ob die Süddeutsche schon frei ist. In meinem zweiten Stammcafé, dem Hummel, ist die Situation zum Glück deutlich entspannter. Zwar ist die Süddeutsche auch hier sehr gefragt, aber niemand okkupiert sie dauerhaft. Als ich unlängst ins Hummel ging, war sie allerdings gerade vergeben. Ich blickte mich um und entdeckte zu meinem Entsetzen, dass in einer Loge mein Feind aus dem Ritter saß! Wahrscheinlich wollte der Mann endlich einmal ungestört die Süddeutsche lesen.

Ich blickte mich um und entdeckte zu meinem Entsetzen, dass in einer Loge mein Feind aus dem Ritter saß!

von Wolfgang Kralicek

Die Süddeutsche scheint in Wien besonders beliebt zu sein – mit dem Zug sind es ja nur vier Stunden bis München. Im Ritter, einem meiner Stammcafés, ist die Süddeutsche fast nie frei; meistens hat sie ein anderer Stammgast okkupiert, der anscheinend im Ritter wohnt – und stets einen ganzen Berg Zeitungen neben sich liegen hat. Eine Unart, die dazu führt, dass ich früher oder später an seinen Tisch gehen und fragen muss, ob die Süddeutsche schon frei ist.

In meinem zweiten Stammcafé, dem Hummel, ist die Situation zum Glück deutlich entspannter. Zwar ist die Süddeutsche auch hier sehr gefragt, aber niemand okkupiert sie dauerhaft. Als ich unlängst ins Hummel ging, war sie allerdings gerade vergeben. Ich blickte mich um und entdeckte zu meinem Entsetzen, dass in einer Loge mein Feind aus dem Ritter saß! Wahrscheinlich wollte der Mann endlich einmal ungestört die Süddeutsche lesen.

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