Kolumnen
07/25/2021

Johannas Fest: Wahrlich kein Augenschmaus

Percebes, wie die Tierchen in Spanien und Portugal heißen, gelten als „hässlichste Delikatesse“ der Welt.

von Johanna Zugmann

Vergangene Woche luden uns unsere Gourmet-Freunde Christoph und Julian ein. Da wir um deren feinen Gaumen und ihre virtuosen Herd-Fertigkeiten Bescheid wissen, fragten wir nicht lange, was es denn geben werde und ließen uns bezüglich der zu erwartenden Gaumenfreuden überraschen.

Das Paar scheute wieder einmal weder Kosten noch Mühen. Die Gastgeber kredenzten – wohlwissend wie gerne wir Meeresfrüchte essen – als einen von fünf Gängen Entenmuscheln. Diese Spezialität habe ich erstmals mit 21 Jahren im Hafen des kleinen mallorquinischen Fischerdorfes genossen, in dem ich neben meinem Sprachen-Studium als Reiseleiterin gearbeitet habe; das zweite und letzte Mal mit einem der erfolgreichsten Auslandsösterreicher, die ich als Journalistin porträtiert habe. Der promovierte Mediziner, der eine steile internationale Karriere in der Pharmaindustrie absolviert hat, lud mich zu einem Dinner ins „Restaurante Furnas do Guincho“ in Cascais ein. Es gilt als bestes Meeresfrüchte-Lokal im Land der Seefahrer und Entdecker.

Aber Gaumenfreude!

Beide Male habe ich nicht gewusst, was Entenmuscheln eigentlich sind, wo sie herkommen und wie sie gesammelt werden. Als Augenschmaus habe ich die Kost, die auf den ersten Blick aussieht wie Schildkrötenfüße, auch keineswegs empfunden. Kein Wunder, gelten Percebes, wie die Tierchen in Spanien und Portugal heißen, doch als „hässlichste Delikatesse“ der Welt.

Die Gaumenfreuden, die sie bereiten, sind Gourmets angeblich bis zu 200 Euro je Kilogramm wert; speziell, wenn sie aus Nordspanien kommen. Laut telefonischer Preisrecherche vor fünf Tagen gibt es Percebes tiefgekühlt um 98,50 Euro pro Kilo am Wiener Naschmarkt und am Karmelitermarkt frisch (auf Vorbestellung) um 36 Euro pro Kilo. Bei diesen Meeresfrüchten, die hierzulande wenig bekannt sind, handelt es sich um ledrige, schwarze Krebstiere. Fischer klettern in Felsspalten, unter denen die meterhohen Wellen des Atlantiks gegen die Küste peitschen. Mit langen Stemmeisen hebeln und schaben sie die Rankenfüßer, die sich mit ihrer Zementdrüse am Stein festklammern, ab. „Eine ebenso schweißtreibende wie gefährliche Ernte, bei der die Percebeiros – wie die Entenmuschelsammler genannt werden – nicht weniger als ihr Leben riskieren“, erklärt uns Christoph.

In der galicischen Hafenstadt Corme wird jedes Jahr im Juli sogar ein Entenmuschelfest zelebriert. An die 7.000 Besucher verschmausen die Schätze des Meeres mit Cachelos (in der Schale gekochte Kartoffeln). Aus dem Festzelt am Hafen ertönt Blasmusik, Dudelsack-Bands spielen entlang der Uferpromenade auf und in den Gassen schwingen die Jugendlichen und Junggebliebenen das Tanzbein zum Latino-Pop vom DJ.

Gekocht werden die Krebstiere einfach etwa fünf Minuten in Meerwasser mit einem Lorbeerblatt. Man isst sie mit den Händen, wobei die eine die Hornplatte festhält, die andere das Bein um 180 Grad dreht, bis das köstliche Krebsenfleisch zum Vorschein kommt. Hobby-Sommelier Julian öffnete eine Bouteille Viña Meín Blanco aus dem im Herzen Galiciens gelegenen Weinbaugebiet Ribeiro. Mit seinen pfeffrigen und zitrischen Aromen erweist sich der Rebsaft als ideale Begleitung der Entenmuscheln.

„Saúde!“ (Gesundheit!), prosteten wir einander zu und begannen Reisepläne für 2022 zu schmieden. Vielleicht geht’s ja nach Santiago de Compostela (die Hauptstadt der autonomen Gemeinschaft Galicien). – Percebes-Fest inklusive, versteht sich!

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