Kolumnen
03/18/2019

Klimaschützer, nicht Schulschwänzer

Man muss das Engagement der Schüler nicht herabwürdigen, auch sie dürfen Forderungen an die Politik stellen – einfach so.

von Julia Schrenk

Hunderttausende Schülerinnen und Schüler in 120 Staaten gingen am Freitag auf die Straßen, um für den Klimaschutz und eine bessere Umweltpolitik zu demonstrieren. In Wien waren es mehr als 10.000. Von manch Erwachsenen wurden sie in den sozialen Netzwerken sogleich als Schulschwänzer abgetan, die sich nur einen freien Tag machen wollen.

Aber anstatt den jungen Demonstranten abzusprechen, dass sie ihren Protest ernsthaft begehen, könnten diese Erwachsenen den Schülerinnen und Schülern zugestehen, dass die einfach so viel mehr über die Klimakrise wissen – und vielleicht deshalb so besorgt sind.

Man muss ihr Engagement auch nicht herabwürdigen und in Frage stellen, dass auch sie ihren Beitrag leisten, denn auch junge Menschen dürfen Forderungen an die Politik stellen – einfach so! (Die dürfen übrigens auch alle mit 16 wählen). Die Politik muss die großen Baustellen in Angriff nehmen, damit sich unsere kleinen Beiträge auch auszahlen.

Wir können zum Beispiel überlegen, ob wir um völlig absurde 68 Euro nach Mailand fliegen wollen (oder doch den Zug nehmen). Wir müssen auch das Obst, das wir kaufen, nicht in ein Obstsackerl (aus Plastik) geben. Wir können es einfach in den Einkaufswagen und dann in unsere mitgebrachte Tasche legen. Wir müssen auch nicht im Winter Erdbeeren kaufen – schmecken eh nach nix.

Dass das schon viele Menschen verinnerlicht haben, zeigt sich in Wien vielerorts. In unserer Stadt gibt es (nicht erst seit Freitag) Geschäfte, in denen man Lebensmittel unverpackt kaufen kann (Lunzers Maß-Greißlerei, Warenhandlung Wenighofer & Wanits). Es gibt Shops, in denen man plastik(verpackungs)freie Kosmetikprodukte kaufen kann (Sonnengrün). Sogar die Konzerne haben reagiert: Die Bio-Milch von „Ja, Natürlich“ gibt es ab Herbst in Mehrwegflaschen aus Glas. Spar testet Mehrwegsackerl für Obst.

Der Klimaschutzgedanke ist längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Wer das noch immer nicht kapiert hat, sollte einmal mit den Schülerinnen und Schülern reden, anstatt über sie zu schimpfen.