Kolumnen
10/24/2021

Johannas Fest: Vergessenen Einladungen

Es gibt die sogenannten No-shows unter Gästen. Das sind diejenigen, die zugesagt haben, dann aber nicht auftauchen.

von Johanna Zugmann

Es gibt die sogenannten No-shows unter Gästen. Das sind diejenigen, die zugesagt haben, dann aber nicht auftauchen. Das kann viele Gründe haben. Zu unseren Lieblingsgästen zählen zum Beispiel Claudia und Christian. Die Eltern von drei Kindern sind die reinste Augenweide, bringen nebst großzügigen Gastgeschenken beste Laune mit und sind dank ihrer vielseitigen Interessen hervorragende Gesprächspartner an jeder Tafelrunde. Das Problem ist, dass sie meist schon Wochen im Voraus abends verplant sind. Hat man dann endlich einen gemeinsamen Termin gefunden, empfehlen sich vorab zwei bis drei schriftliche Erinnerungen.

Die gebürtigen Salzburger sind nämlich Spezialisten der besonderen Art. Einmal hatte mein Göttergatte zur Feier einer hohen Auszeichnung, die er erhalten hatte, eingeladen. Claudia stand mit einer Magnumflasche Champagner vor unserer Wohnungstür: eine Stunde zu früh und am falschen Ort. Gefeiert wurde nämlich nicht bei uns daheim, sondern in einem Weinkeller in der Innenstadt. – Ein Irrtum ohne große Folgeschäden, es war ja noch ausreichend Zeit, um den richtigen Austragungsort aufzusuchen.

Im Jahr darauf hatten wir zum Geburtstag meines Mannes in den Garten seines besten Freundes Gustav eingeladen. Der war ziemlich verdutzt, als die ihm bis dahin unbekannten Gratulanten vor der Türe standen. Diesmal waren Claudia und Christian am richtigen Ort, aber einen Tag zu spät. Gustav hatte gerade andere Gäste und lud die beiden spontan ein, doch auf ein Glas Wein hereinzukommen.

Niemand daheim

Wenn Gäste ausbleiben, weil sie nicht zur richtigen Zeit am richtigen Ort auftauchen, ist das schade und bei gesetzten Essen entstehen Lücken. Schlimmer ist schon, wenn einmal Gastgeber eine spontan ausgesprochene Einladung verschwitzen. Das passierte jüngst mir. Der Sohn meines in den USA lebenden Neffen ist in die Donaumetropole gekommen, um hier zu studieren. Oft habe ich den 18-Jährigen, der in Deutschland geboren und aufgewachsen ist, ehe die Karriere seines Vaters 2016 über den großen Teich in den Big Apple führte, nicht gesehen.

Ich freute mich schon riesig auf Konstantin, das bevorstehende Wiedersehen war für mich das Highlight des Monats. Akribisch plante ich das Menü mit den Klassikern Fritattensuppe, Wiener Schnitzel und Apfelstrudel. Am Mittwochabend, als ich gerade an der Kasse stand und den Großeinkauf im Bioladen bezahlte, läutete mein Handy so beharrlich, als wäre ein Anlageberater dran. „Unbekannter Anrufer“ meldete das Display. „Hallo, da ist der Konstantin. Ich stehe vor Deiner Türe und klingle, aber niemand macht auf“, meldete der heiß ersehnte Verwandte.

„Wir waren doch für morgen, den 13. verabredet“, erwiderte ich, noch fest an sein Versehen glaubend. Hierauf Konstantin: „Ja, aber der ist ja heute, oder?“

Ich wäre am liebsten unter dem Kanaldeckel verschwunden. „Macht gar nichts, ich habe eh noch genug für die Uni zu tun“, meinte der Großneffe elegant und nahm die Bitte, mir am 14. eine zweite Chance zu geben, kulant an.

Es wurde letztlich ein wunderbarer Abend. Der liebenswerte Student verzehrte drei Wiener Schnitzel und zeigte sich voll interessiert an den Alben mit Fotos seiner Ahnen und Urahnen und deren Lebensgeschichten. Zum Abschied spielte ich den Schlussgesang von Johann Strauss ’ komischer Operette „Wiener Blut“ und wir vereinbarten einen Folgetermin. Da wird’s Kalbsgulasch geben und da werde ich garantiert vorher in den Kalender schauen!

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.