Kolumnen
11/28/2021

Johannas Fest: Nachhaltiges Gastgeschenk

Beim Durchblättern des Bildbands läuft einem das Wasser im Mund zusammen - angesichts der in bester Food-Fotografie-Kunst abgebildeten Speisen.

von Johanna Zugmann

Unter den Gästen meiner letzten Einladung vor der neuerlich verordneten Sozialaskese war mein lieber Bruder. Immer wieder bin ich verblüfft über die Treffsicherheit bei der Auswahl seiner Gaben. Zum Abendessen vor zwei Wochen brachte mir Pierre einen prachtvollen Bildband mit. Den Einband ziert eine Aufnahme der anmutigen Grace Kelly mit dem Monegassen-Fürst Rainier bei deren Hochzeitsmahl. Darunter der Titel „Legendäre Dinner – Unvergessliche Rezepte berühmter Gastgeber“.

Beim Durchblättern geht einem ob der unvergleichlich schönen Gestaltung des 224 Seiten starken Druckwerks (erschienen 2020 bei Prestel) das Herz auf. Angesichts der in bester Food-Fotografie-Kunst abgebildeten Speisen läuft einem das Wasser im Mund zusammen.

Apropos Essen: Bei der Traumhochzeit des Fürsten von Monaco mit der amerikanischen Schauspielerin gab es zum Lunch ein leichtes Buffet: Hähnchen- Pastilla (Huhn im Blätterteig) mit Blumenkohl (Karfiol) in Safransauce, Lachs mit Gurkensalat und Sesam-Mayonnaise, Hummer in Staudensellerie- Vinaigrette, Eier mit Kaviar und Garnelen. Dazu floss Champagner in Strömen. Nach der Zeremonie an der Riviera, die ganz großes Kino war, war es für die Braut mit eben diesem aus: Mit dem Film „Die oberen Zehntausend“ beendete der Hollywood-Star seine Leinwand-Präsenz und verzückte die Fans ab 1956 als Landesmutter Gracia Patricia.

Auch den Hochzeitszeremonien von Napoleon Bonaparte mit seiner zweiten Frau Marie-Louise aus Österreich im Jahr 1810 im Louvre und jener von Prinzessin Elizabeth und Prinz Philip 1947 im Buckingham Palace sind eigene, reich bebilderte Kapitel gewidmet.

Tolle Feste

Autorin Anne Petersen, im „Hauptberuf“ Chefredakteurin des bei Gruner + Jahr erscheinenden Magazins SALON, spannte den Bogen weit über gekrönte und ungekrönte Häupter wie Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe oder Michelle Obama, die ehemalige First Lady der USA, hinaus.

Thomas Mann – so erfahren die LeserInnen – liebte Weihnachten, das die Familie auch im Exil mit viel Tradition, funkelndem Baum und glitzerndem Lametta als Symbol des himmlischen Lichts, der Gnade, des Segenreichen feierte. Gebeizter Saibling und schwarzer Kaviar vom Stör waren fixe Bestandteile der ansonsten mit den Wohnorten wechselnden Menüs. Und Champagner wurde zur Seele der weihnachtlichen Tischkultur, weil er so wundervoll bei Kerzenlicht schäumte, sobald man ihn ins Flötenglas goss.

Das Buch verrät auch, dass der Impressionist Claude Monet seinen Spargel am liebsten fast roh aß und dass 1966 der Black-and-White-Ball des Kult-Autors und Society-Lieblings Truman Capote als legendärste Party, die New York je gesehen hat, Geschichte schrieb. 500 Stars aus Film, Kunst und Politik waren ins Hotel Plaza geströmt und genossen zu Mitternacht Hühnerfrikassee, das damalige signature dish des Hauses.

Im Kapitel „Die Party als Gesamtkunstwerk“ gibt es Lektüre und Anschauungsmaterial über das kreative und ausgelassene Feiern zu Bauhaus-Zeiten in den 1920er-Jahren. Die Feste standen unter der Devise „Die konventionellen Grenzen zwischen Alltag und Fest, Leben und Kunst dürfen überwunden werden“.

Neben all den lesenswerten Geschichten, Bildern und Inspirationen zu Themenfesten liefert dieses Buch auch die Rezepte für die beschriebenen Speisen.

Danke, lieber Bruder, für dieses wunderbare Gastgeschenk, mit dem ich mich in der Zeit ohne Gäste genüsslich vorbereite auf künftige Feste!

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