Kolumnen
11/14/2021

Johannas Fest: Griss um die Lieblingsgäste

Im Laufe der Jahre habe ich unterschiedliche Druckstufen beobachtet, mit denen Gastgeber besonders umworbene Personen zu einer Zusage bewegen wollen.

von Johanna Zugmann

In der Adventzeit haben Privateinladungen für gewöhnlich Hochsaison. Zu den vielen Dingen, die unbedingt noch im alten Kalenderjahr erledigt werden wollen, gehört das Treffen mit lieben Freunden, die man schon lange einmal bei sich daheim bewirten wollte. Frühzeitige Planung empfiehlt sich, hofft man auf die Gesellschaft sehr begehrter Gäste, die auch auf anderen Feiern als Fixstarter rangieren.

Private Gastlichkeit unterliegt dem Prinzip „Freiwilligkeit“. Gastgeber laden freiwillig ein, weil sie mit ihren Gästen eine gute Zeit verbringen wollen, Letztere kommen freiwillig mit der gleichen Intention.

Im Laufe der Jahre habe ich allerdings unterschiedliche Druckstufen beobachtet, mit denen Gastgeber besonders umworbene Personen zu einer Zusage bewegen wollen.

Locken: Die einen versuchen, mit kulinarischen Verheißungen zu ködern. Etwa in der Art: „Unser Freund Michele aus dem Piemont kommt uns in zwei Wochen besuchen. Er bringt frische Alba- Trüffeln mit. Die esst ihr doch so gerne.“ Auch für die passende Weinbegleitung sei schon gesorgt, verkündet Regina und streut den potenziellen Gästen Rosen: „Alles, was noch fehlt zu einem unvergesslichen Abend, ist eure Gesellschaft!“

Das ist charmant und wertschätzend.

Ködern: Es müssen nicht immer Trüffeln sein. Ein sehr nettes, ehemals einflussreiches Ehepaar (er war früher Botschafter) versucht es mit Aussichten auf Begegnungen mit Prominenz. „Habt ihr am letzten Mittwoch im November Zeit? Wir haben eine sehr gesellige Runde eingeladen. Künstler, eine Restaurantbesitzerin, zwei Ärzte und wahrscheinlich kommt auch die Ministerin XY“, flötet Nicole, die Evelyn und Andreas zum Kommen bewegen will, ins Telefon. Es ist nicht das erste Mal, dass sie das versucht. Andreas, der Einfluss auf die Haubenvergabe eines Gourmetführers hat, findet unermüdlich Ausreden. – Warum?

1.) Wollte er die Ministerin treffen, könnte er sich diesen Wunsch selbst erfüllen. Diese wohnt in seiner Gasse und die beiden kennen einander schon länger.

2.) Außerdem weiß er um Nicoles Kalkül. Sie will ihm bei dieser Gelegenheit, wie schon öfter zuvor, auf gut Wienerisch das Lokal der befreundeten Gastronomin „reindrucken“. Käme es für eine Restaurantkritik infrage, hätte er dort schon längst – ganz ohne Nicoles Intervention – ein Testessen absolviert.

Nötigen: Unsere Freundin Mariella lebt seit mehr als einem Vierteljahrhundert in Irland. Alljährlich im Advent kommt sie zurück in die Heimat und lädt Jugendfreunde zu ihrem Geburtstag am

5. Dezember ein. Auf Absagen reagiert sie tödlich beleidigt, was sie auch ganz klar kommuniziert. Schwer beleidigt zu reagieren, kommt emotionaler Erpressung nahe. Und das kommt in keinem Fall gut. Fühlen sich Geladene zum Teilnehmen genötigt, wird keine rechte Feierstimmung aufkommen.

Schlussfolgerung: Irgendwann ist es Zeit, die persönliche Kontaktdatenbank zu aktualisieren. Wenn sich über Jahre hindurch herausstellt, dass das Interesse einseitig geworden ist, empfiehlt sich ein beherztes Wischen. Das spart immer wiederkehrende Frustrationserlebnisse und macht Platz für neue Freunde, die auf Einladungen spontan mit einem „Wir kommen mit größtem Vergnügen!“ reagieren.

Deren Freude und gute Laune sind wichtigere Ingredienzien für gelungene Feste als noch so teure Delikatessen oder prominente Gäste!

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