Kolumnen
11/04/2021

Johannas Fest: Atmosphärische Parameter

Der gemeinsame Verzehr von Käsefondue oder Raclette im Freundeskreis sorgt nicht nur für Hüttenzauber in der Stadtwohnung, sondern fördert auch das Wir-Gefühl.

von Johanna Zugmann

Ich lasse so manches, das für andere fixer Bestandteil der Adventzeit ist, aus: Ich backe keine Vanillekipferl (erstens kann ich’s nicht und zweitens muss ich sie nicht haben), ich kaufe keinen Adventkalender und ich besuche nur dann Christkindlmärkte, wenn uns die Eltern unserer Patenkinder darum bitten, ihren Nachwuchs dorthin auszuführen. Lieber als an Punschständen gehen mein Mann und ich im privaten Rahmen mit guten Freunden auf Tuchfühlung. Im vergangenen Jahr waren leider unsere drei liebsten Adventeinladungen abgesagt. Das war bedauerlich. Umso mehr freut uns, dass wir heuer wieder Einladungen von Margrit, Christoph und Friederike erhalten haben; ganz schön früh, denn das frohe Erwarten der Geburt Jesu Christi beginnt ja eigentlich erst am 28. November, dem ersten Adventsonntag.

Bei all den saisonüblichen Schlemmereien erinnern sich nur wenige – meist sind es praktizierende Christen – daran, dass die 40 Tage vor Weihnachten eigentlich eine Fastenzeit waren. Sie begann nach dem 11. November, dem Martinitag, an dem sich alle noch einmal – wenn leistbar – am Gansl – sattessen durften. Seit 1917 ist das Adventfasten nicht mehr Forderung des Kirchenrechts. Immer mehr Zeitgenossen fasten jedoch fernab religiöser Gründe: Schließlich tut es dem Körper gut und nach einer Phase des Verzichts schmecken Gaumenfreuden umso mehr.

Blumenschmuck

Mein Advent beginnt alljährlich mit dem Aufhängen einer entzückenden – wenn auch vielleicht etwas kitschigen – Girlande mit reitenden Weihnachtsmännern über der Flügeltür zu unserem Wohnzimmer. Das ist dann das Erste, das man erblickt, wenn man bei der Wohnungstüre hereinkommt. Und alljährlich ist um diese Zeit ein Besuch am Blumengroßmarkt fällig. Wenn Advent für andere Zeitgenossen nicht ohne Vanillekipferln denkbar ist, müssen es bei mir Schneerosen, Weihnachtssterne und Amaryllis sein. Die versetzen mich mit ihrem Duft und den klassischen Weihnachtsfarben Rot, Weiß und Grün in festliche Stimmung. Zusätzlich hat Augenschmaus den Vorteil, dass er nicht dick macht!

Nach der weitgehenden Sozialaskese im Advent 2020, in der die Lokale geschlossen blieben, wie auch die Tore der Konzerthäuser, Theater und Kinos, freuen wir uns heuer umso mehr auf gesellige Treffen mit Freunden.

Wie in meiner Kindheit werden wir umgeben von Duftkerzen und Tannenreisig zu ein paar Spieleabenden einladen. Risiko, Activity und Weltreise zum Beispiel finde ich um einiges spannender als noch so ausgezeichnete Streamingfilme oder -serien. Inzwischen habe ich auch ein paar exzellente Glühwein- und Punschrezepte gesammelt und ausprobiert. Und der gemeinsame Verzehr von Käsefondue oder Raclette im Freundeskreis sorgt nicht nur für Hüttenzauber in der Stadtwohnung, sondern fördert auch das Wir-Gefühl.

Alles zusammen macht das alles das aus, was die Schweizer Künstlerin und Forscherin Anneli Käsmayr (Hochschule für Gestaltung und Kunst Nordwestschweiz) als „Atmosphärische Parameter eines Ortes der Gastlichkeit“ bezeichnet.

Die sollten Einladende keinesfalls unterschätzen. Schließlich ist das wohltuende Ambiente für den wahren Genuss genauso essenziell wie best verarbeitete höchstqualitative Ingredienzien!

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.