Kolumnen
05/03/2020

Johannas Fest: Liebeserklärung an die Pfingstrosen

Wie auf Gemälden ersichtlich, waren sie schon Tischschmuck mittelalterlicher Tafeln. Die Blumen standen für Reichtum, Heil, Heilung und Schönheit.

von Johanna Zugmann

Noch nie zuvor hatten wir Gelegenheit, den Frühjahrseinzug so kontinuierlich zu beobachten. In den vergangenen drei Wochen sind sie mehr als sechzig Zentimeter hoch gewachsen, man konnte ihnen dabei nachgerade zusehen. Die Rede ist von den Pfingstrosen. Heute haben sich ihre roten und rosa Blütenköpfe geöffnet – ein Fest für die Betrachter!

Als ich erstmals die Pfingstrosenblüte in unserem kleinen alten Garten erlebte, verliebte ich mich in die Päonien, so ihr wissenschaftlicher Name.

Ich erinnere mich an das Jahr, in dem mein 40. Geburtstag bevorstand. Es war ein Tag im Frühjahr, so wie heuer, als ich im Garten saß und mich an den gerade aufgegangenen Pfingstrosen erfreute. Dann wurde ich plötzlich melancholisch. Da war er erstmals, der Gedanke an die eigene Endlichkeit: „Nur noch 40 Mal die Pfingstrosenblüte erleben“, kam es mir in den Sinn. Rückblickend ein ziemlich optimistisches Kalkül, dass man es als selbstverständlich annimmt, 80 zu werden. Vielleicht lag es daran, dass meine Mutter zu Beginn jenes Jahres im stolzen Alter von 82 verstorben war?

40 Mal kam mir wenig vor und so entwickelten wir einen Eifer, die Pfingstrosenblüte in unserem Garten in Niederösterreich nicht mehr zu versäumen. Das war nicht immer einfach zu koordinieren mit den Dienstplänen meines Mannes, der als Musiker auch an vielen Wochenenden in einem großen Wiener Orchester spielte.

Einmal ließen wir sogar eine Reise verfallen. Wir hatten für Anfang Mai ein Wochenende in der Stadt der Liebe gebucht. Im Ybbstal begann gerade die Mostblüte, der Himmel war strahlend blau und in unserem Garten entfalteten gerade nebst den Päonien die roten Rhododendren, der weiße Hartriegel und die Wisteria Sinensis – vulgo Blauregen – ihre volle Pracht.

Mehr als nur Zierde

Obwohl meine Sehnsucht nach Paris, wo ich während des Studiums regelmäßig als Reiseleiterin Geld verdiente, groß war, schloss ich mich der Meinung meines Mannes an: „Wir müssten verrückt sein, jetzt wegzufahren, wo es hier so schön ist.“

Und das alles wegen der ausdauernden krautigen Pflanzen, die fixer Bestandteil jedes Bauerngartens sind. Aber nicht nur dort fungieren sie als Augenweide: Wie auf Gemälden ersichtlich, waren sie schon Tischschmuck mittelalterlicher Tafeln. Das mag auch an ihrem christlichen Symbolwert liegen: Die Blumen standen für Reichtum, Heil, Heilung und Schönheit.

Auf dem bekannten Bild „Paradiesgärtlein“, das ein unbekannter oberrheinischer Meister zu Beginn des 15. Jahrhunderts auf Holz malte, sind sie ebenso verewigt, wie auf einem Gemälde des französischen Wegbereiters der Moderne, Édouard Manet, aus dem Jahr 1864, das den Titel „Weiße Pfingstrosen“ trägt.

Die im Mittelmeergebiet heimische Päonia mascula, die Korallen-Pfingstrose, war übrigens ebenso wie die gemeine Pfingstrose schon in der Antike als Heilpflanze geschätzt. Sie galt als wirksames Mittel gegen Gicht, Kinder- und Frauenkrankheiten.

Die Äbtissin Hildegard von Bingen (1098 bis 1179) attestierte der Pfingstrose fiebersenkende Wirkung und empfahl in Honig getauchte Päoniensamen auch zur Behandlung von Menschen, die den Verstand verloren haben. Viele Erkenntnisse der Naturkundlerin und -heilerin haben bis heute Gültigkeit. – Vielleicht sollte man ja ein Care-Paket mit Päoniensamen und Honig in ein „weißes Haus“ über den „großen Teich“ senden?

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