Kolumnen
09/15/2020

Johannas Fest: Krebs, Schnaps und Gesang

Wir waren mit sechs weiteren Freunden zu „Kräftskiva“ eingeladen. Dabei handelt es sich um ein Krebsessen, zu dem sich Familien in Schweden im Spätsommer versammeln.

von Johanna Zugmann

Linda und Staphan sind Schweden, die schon seit bald zwei Jahrzehnten in Österreich leben. Aus ihrer im vergangenen Jahr ausgesprochenen Einladung zum Midsommarfest, der Sonnwendfeier in ihrer Heimat, wurde heuer natürlich nichts. Dafür durften wir in dem kleinen Boutique-Hotel, das das Paar in der Steiermark betreibt, an einem anderen Brauchtum teilnehmen: Wir waren mit sechs weiteren Freunden zu „Kräftskiva“ eingeladen. Dabei handelt es sich um ein Krebsessen, zu dem sich Familien in Schweden im Spätsommer versammeln.

Wir durften in dem zum Grund gehörigen kleinen See am Morgen selbst Reusen mit Fischködern versehen und auslegen. Eine hübsche Wanderung, ein aufregendes Unterfangen, hofft man doch trotz Premiere in Sachen Krebsfang alles richtig zu machen und abends eine reiche „Ernte“ heimtragen zu können. Knapp vor Einbruch der Dunkelheit wanderten wir wieder zum See und zogen die Fanggeräte an Land. Was „ins Netz“ gegangen war, reichte locker für unsere 10-köpfige Tafelgemeinschaft.

In der Steiermark sind der Edel- und Steinkrebs heimisch, deren Populationen finden sich allerdings nur noch in kleinen geschützten Gewässersystemen und gelten als stark gefährdet. Unaufhaltsam und uneingeschränkt hingegen verbreitet sich der gegen die Krebspest resistente Signalkrebs, der 1970 erstmals in heimische Gewässer eingesetzt wurde.

Klingendes Brauchtum

Zurück zum austro-schwedischen Festessen: Der lange Tisch auf der Terrasse vor dem Hotel war reich dekoriert: Kerzen flackerten, dem Anlass entsprechend gab es Servietten und Laternen mit Krebsmotiven und in den Ästen der Bäume hingen Lampions mit bunten Mondkarikaturen und Lichterketten. Auf jedem Teller lag ein Hütchen, daneben ein Latz. Letzteren kann man bei diesem Menü ebenso gut brauchen, wie die großen Wasserschüsseln mit Zitronenvierteln zum Reinigen der Hände.

Aus der Küche strömte schon der aromatische Duft des Suds, in dem der Fang nach dem letalen Tauchbad in kochendem Wasser gegart wird:

Wasser, Meersalz, Dillblüten, etwas Zucker und Lorbeerblätter sind die Standard-Ingredienzien. Wie man Krebse optimal zerlegt und genießt, lernen Kräftskiva-Debütanten schnell.

Aber: Während wir uns vor dem Aufsetzen der Hütchen erfolgreich drücken konnten, gab es bei einem anderen wichtigen kulturellen Bestandteil dieses Brauchtums kein Pardon: „mitgehangen – mitgesungen“ sozusagen, lautet die Devise, wenn es um die gemeinsame Wiedergabe schwedischer Schnaps-Weisen geht. Diese sind meist kurze, ulkige Lieder, von denen während des Essens immer wieder eine Strophe gesungen und mit einem Stamperl hochprozentigen Alkohols beendet wird. Ein Trinkspruch lautet zum Beispiel: „Ein Krebs, ein Schnaps, ein Lied“. Gut, dass wir in Lindas und Staphans Hotel ein Zimmer reserviert hatten!

Dass ich Krebse einmal „zum Fressen gern“ haben würde, hat sich vorerst nicht abgezeichnet. Meine erste Wahrnehmung der kleinen Scherenträger war nämlich alles andere als kulinarischer Art: Ich lernte mit sechs Jahren in Gars am Kamp schwimmen. Das war nicht nur deshalb stressig, weil ich jede Menge Wasser schluckte und Angst hatte, unterzugehen. Erschwerend kamen Quälgeister hinzu, die mich immer wieder in die Beine zwickten. Dass es sich dabei damals vermutlich noch um Edelkrebse handelte, machte die Sache auch nicht besser!

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