Kolumnen
12/18/2021

Johannas Fest: Flexibel bis zum Heiligen Abend

Ich beschloss nach ein paar Tagen tief durchatmen, meine Vorstellungen vom Ideal-Weihnachten loszulassen.

von Johanna Zugmann

Also wir erfahren heute Abend, wo wir den Heiligen Abend feiern werden, mit wem und zu wievielt. Unsere engste Verwandte, die in den vergangenen zwölf Jahren darauf bestanden hat, dass der 24. 12. bei ihr daheim zelebriert wird, zeigt heuer erstmals Ermüdungserscheinungen. Vielleicht weil sie gerade einen spektakulären Karriereschritt gemacht hat, dessentwegen sie derzeit nicht einmal zu Alltags-, geschweige denn zu Weihnachtseinkäufen kommt? Oder weil ihr Töchterchen erstmals mehr Teenager als Kind ist und nicht mehr auf den Baum in den eigenen vier Wänden besteht? Oder weil sie unauffällig die Stammgästeliste verändern will? – In einem Telefongespräch mit meinem Mann vergangene Woche stellte die bisherige Weihnachtsgastgeberin in Aussicht, das Fest zu uns zu verlagern.

Wahlverwandtschaft

„Ja gerne!“, hörte ich ihn freudig über meinen Kopf hinweg zusagen. Dann erkundigte er sich, ob wir in diesem Fall auch alle ihre sonst anwesenden Gäste mit einladen müssten. Und schließlich verlieh er am Telefon auch noch seiner Freude darüber Ausdruck, dass dann ja auch seine besten Freunde, ein Musiker-Paar, mit uns feiern würden.

„Ja, eh klar! – Schön, wenn man auch gefragt wird!“, dachte ich mir. Der Göttergatte und seine Freunde lieben zu Weihnachten Austern als Vorspeise. Danach wünscht er eine Fischbeuschelsuppe und gebackenen Karpfen. Den will aber die engste Verwandte genauso wenig wie ihr Töchterchen. Beide begehren Roast- beef. Cornelia, die Musikerin, ist Veganerin. Gustav, ihr Mann, hat eine Gluten-Unverträglichkeit. – Das kann ja heiter werden, denke ich mir.

Ich beschloss nach ein paar Tagen tief durchatmen, meine Vorstellungen vom Ideal-Weihnachten loszulassen. Den Baum und das festliche Dekor krieg’ ich schon hin. Geschenke wird es keine großen geben, sondern nur ein paar kleine Aufmerksamkeiten und das Essen wird nicht im Mittelpunkt, sondern am Buffet im Speisezimmer stehen.

Nichts wird so perfekt sein, wie ich es mir vorstelle. Aber eines wird es ganz bestimmt: heiter. Dann, wenn sich mein Mann zum Klavier setzt, die Musikerfreunde zu Horn und Oboe greifen und wir Weihnachtslieder singen. Und wenn wir uns nach dem Essen wie frĂĽher in ein Brettspiel vertiefen, sind wir zwar keine Bilderbuch-Familie, aber eine glĂĽckliche Wahlverwandtschaft!

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