Kolumnen
08/15/2021

Johannas Fest: Ernährung für die Zukunft

Unser Einkauf und unsere Ernährung hat mit globaler, weltbürgerlicher Verantwortung zu tun. Daher ist es wichtig, im Kleinen anzufangen.

von Johanna Zugmann

Gastrosophie ist die Lehre von den Freuden der Tafel. Beleuchtet und erforscht wird, was auf den Teller kommt, und zwar aus jedem erdenklichen Blickwinkel: ernährungstechnisch, ethisch, soziologisch und philosophisch zum Beispiel. Auch Essen in der Kunst war eines der Gebiete, mit dem wir uns im Gastrosophie-Studium an der Paris-Lodron-Universität in Salzburg beschäftigten. Wir sprachen über Georg Philipp Telemanns Tafelmusik, betrachteten Giuseppe Arcimboldos Gemüseköpfe und Daniel Spoerris Fallenbilder (auf Tischplatten fixierte Überreste von Mahlzeiten).

Für die Seminararbeit sollten wir selbst künstlerisch aktiv werden. Mein Kommilitone Lukas, ein ausgebildeter Koch, entschied sich mit seiner sechsköpfigen Gruppe für eine Live-Performance, während wir – die Zuseher und Gäste – weder Fragen stellen noch reden durften. Staunend folgten wir der Zubereitung eines dreigängigen Menüs in einer im Uni-Klassenzimmer improvisierten Feldküche und rätselten, was daran wohl Kunst sein sollte. Den Clou der Sache verriet Lukas erst, nachdem wir das Dessert verspeist hatten: Er war mit seiner Truppe nächtens dumpstern (mülltauchen, meist in Abfallcontainern von Supermärkten). Alles was wir serviert bekamen, stammte aus dem Müll entrissenen und damit geretteten, noch genießbaren Lebensmitteln.

Da staunten wir aber!

Nachhaltig essen

Das war im Jahr 2011. Zur gleichen Zeit wurde der britische Koch Tom Hunt durch sein „Forgotten Feast“ bekannt. Dabei handelte es sich um ein Festmahl für zweihundert Personen, hergestellt ausschließlich aus Lebensmitteln, die sonst im Müll gelandet wären. Der inzwischen preisgekrönte Koch hat mit seinem Restaurant Poco in Bristol schon mehrere Auszeichnungen für nachhaltige Küche gewonnen. In seinem Buch „Essen für die Zukunft“ (Originaltitel: „Eating for Pleasure, People & Planet“) gibt der Herdkünstler und Klimaaktivist und Autor alltagstaugliche Tipps, wie auch Privathaushalte zukunftsorientiert kochen können.

Und er veranschaulicht dabei, dass Hedonismus und ökologische und soziale Verantwortung vereinbar sind.

Laut Medienberichten zerbrechen sich ja immer mehr Zeitgenossen den Kopf über gesunde, nachhaltige Ernährung. Die Vermeidung von Lebensmittelmüll ist dabei einer der zentralen Punkte. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass weltweit pro Jahr rund 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel weggeworfen werden. Gleichzeitig hungern 690 Millionen Menschen. Die Lebensmittelverschwendung in Industrieländern ist Mitverursacher der Existenzvernichtung kleiner Bauern der südlichen Halbkugel und damit der Not vieler Menschen in Entwicklungsländern. Unser Einkauf und unsere Ernährung hat mit globaler, weltbürgerlicher Verantwortung zu tun. Daher ist es wichtig, im Kleinen anzufangen.

Hier ein paar Tipps:

– regional und saisonal einkaufen

– nur die wirklich benötigten Mengen einpacken

– die Lebensmittel richtig lagern

– aus Überschüssen Restlessen zubereiten oder diese

– an die Nachbarn verschenken.

Das sind ganz einfache, individuelle Beiträge zu einer nachhaltigen und damit den Planeten schonenden Ernährung, bei der auch der Genuss keinesfalls auf der Strecke bleibt.

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