Kolumnen
12/25/2021

Johannas Fest: Endlich wieder im Restaurant

Was hat eigentlich am 26. 12., dem Stephanitag, an dem des ersten christlichen Märtyrers gedacht wird, Tradition?

von Johanna Zugmann

Vor zehn Tagen studierte ich noch emsig österreichische Kochbücher. Ich durchsuchte sie nach traditionellen Speisen für die Weihnachtsfeiertage. Was hat eigentlich am 26. 12., dem Stephanitag, an dem des ersten christlichen Märtyrers gedacht wird, Tradition?

Im Zuge meiner Recherche stieß ich auf den Stefanibraten, der auch Stefaniebraten genannt wird. Dabei handelt es sich um in Laibform gebrachtes Faschiertes, das mit harten Eiern gefüllt wird. Vor dem Austrocknen beim Braten im 180 Grad heißen Backrohr schützt die Ummantelung mit dünnen Speckstreifen.

Dazu passen Püree und grüner Salat. Keine Frage, das krieg’ ich hin, und zwar mit links! – Aber ob dieses Mahl der 93-jährigen Schwiegermutter, mit der wir den Stefanitag seit Jahren in der Heimat meines Mannes in Niederösterreich feiern, festlich genug sein wird?

Die Frage stellte sich nicht lange. Mein Mann wollte seine Mama unbedingt in unserem Haus bewirten. Meine Lust, drei Tage en suite mehrgängige Menüs zu kochen, servieren und hinterher aufzuräumen, hielt sich in Grenzen. Aber um des lieben Weihnachtsfriedens willen verzichtete ich auf eine Grundsatzdiskussion. – Gut so, denn manche Probleme lösen sich von selbst.

Genuss plus

„Lasst uns doch einmal ausgehen!“, schlug die betagte Dame nämlich sehr zu meiner Überraschung und Freude vor. Wenn uns bis dahin nicht gleich die nächste Vorsichtsmaßnahme einholt, genießen wir das Festmahl zum Stefanitag bei unserem lieben Stammwirten.

Endlich wieder! Schließlich haben wir in den Wochen vor Weihnachten genug selbst gekocht oder auf Take-away und Delivery gebaut. Beides bietet Kalorien aber nicht das wohlige Lebensgefühl, an einem ebenso liebevoll wie feierlich gedeckten Tisch zu sitzen, über der Speisekarte zu brüten, um sich dann an köstlich duftenden, dampfenden Schüsseln und Platten zu erfreuen; und daran, was nicht auf der Speisekarte steht: Als Mehrwert zum Nährwert gibt es im Stammlokal noch das eine oder andere unverabredete Wiedersehen mit Bekannten oder Freunden, die man umständehalber auch schon lange nicht mehr getroffen hat. Geselligkeit, Wärme, Liebe bringen das wertvolle Plus zum kulinarischen Genuss.

„Ein Restaurant ist wie eine Mutter oder Großmutter, die ihre Arme öffnet und sagt: Draußen ist es kalt, mein Kleines, komm herein essen, deine Geschwister und Freunde sind auch gerade da“, konstatierte der französische Star-Designer Philippe Starck vor Kurzem in einem Interview mit einer österreichischen Tagezeitung. – Da bin ich ganz bei ihm. Auch wenn er das Zusammenzubringen der Leute, damit diese einen wundervollen Moment erleben und gemeinsam glücklich sein können, als Kernaufgabe eines Wirtshauses versteht. – Ja, das ist das Ziel von Gastlichkeit, im kommerziellen wie im privaten Rahmen.

Nach fast zwei Jahren „sozialen Intervall-Fastens“ wissen wir diese Begegnungen und Momente wohl alle noch mehr zu schätzen als in den Jahren zuvor. Verzicht schafft bekanntlich Sehnsucht.

Sobald es die Umstände wieder erlauben, sollten wir uns daher wieder mit viel Kreativität an die Vermehrung dieser gemeinsamen Glücksmomente machen!

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