Kolumnen
12.01.2019

In aller Feindschaft

Am steilen Zielhang von Adelboden treibt’s auch den Konditionsstärksten den Puls in den 200er-Bereich.

Marcel Hirscher, sein Teamkollege Manuel Feller, Hirschers schärfster Weltcupkonkurrent Henrik Kristoffersen und der Franzose Alexis Pinturault – die vier flogen im Kleinjet von Salzburg nach Bern, um ohne Autobahnstress ausgeruht in Adelboden starten zu können. Was von den Skistars nicht zum ersten Mal gemeinsam geplant wurde, ist im Fußball unbeabsichtigter Zufall. Austrianer und Rapidler werden am 23. Jänner – fünf Wochen nach dem Derby, das noch immer die Polizei beschäftigt – im selben Flugzeug Richtung Antalya sitzen. Beide Klubs trainieren in der Türkei.

Im Gegensatz zu den Brettl-Artisten wird sich das Zusammentreffen der Wiener Passagiere maximal auf Blickkontakte und ein emotionsloses „Servas“ beim Einchecken beschränken. Für mehr Freundlichkeiten würden die mäßig toleranten Hardcore-Fans auch kein Verständnis zeigen. Der Vergleich Ski – Fußball ist freilich nicht ganz fair.

Während die Einzelsportler gegen die Uhr fahren, birgt der Kampf Mann gegen Mann im Teamsport automatisch ungleich mehr Konfliktpotenzial. Auch werden Medienkonsumenten nie von einem sportlich schwachen Rennen hören oder lesen, während sich gerade Promi-Kritiker mit ätzenden Kommentaren über ein Fußballspiel gegenseitig überbieten.

Die Phrase von „Not gegen Elend“ würde den ORF-Ski-Experten Hans Knauß und Armin Assinger nie über die Lippen rutschen. Schon gar nicht in Adelboden, wo der Riesenslalom selbst für Hirscher eine Riesenherausforderung ist. Am extrem steilen Zielhang treibt’s auch den Konditionsstärksten den Puls in den 200er-Bereich, während Musik, abgestimmt auf die Herkunft des jeweiligen Starters, aus den Lautsprecher dröhnt.

Misstöne ausgeschlossen.

Nicht ein Pfiff wird Hirschers Fahrt begleiten. Selbst wenn er am Kuonisbergli sämtlichen Schweizern auch heuer um die Ohren carven sollte. Alle Winter wieder bejubeln 25.000 Menschen im Berner Oberland jeden Ausländer genauso wie ihre Lokalmatadore. Auch das ist im Fußball undenkbar.