© Braunrath Birgit

Kolumnen
01/17/2021

Hundeerziehung ist kinderleicht

Der Zeigefinger heißt: „Sitz!“ Daria weiß, was sie zu tun hat. Und manchmal macht sie es auch.

von Birgit Braunrath

Haben Sie in den nächsten zehn Jahren nichts vor? (Nein, das ist kein Lockdown-Witz!) Wenn Sie also für die kommenden zehn Jahre nichts im Kalender eingetragen haben, das Sie davon abhält, einen Beagle zu erziehen, können Sie ganz entspannt einen Beaglewelpen bei sich aufnehmen. Sie werden sich gut vertragen. Denn die Erziehung des als „unerziehbar“ geltenden Beagles ist kinderleicht, wenn Sie etwa so viel Zeit, Liebe und Verständnis investieren, wie in die Erziehung eines Kindes.

(Und nur zur Klarstellung: Das ist keine Rechtfertigung für die perfid-absurde Programmidee eines deutschen Privatsenders, eine Familiendoku namens „Train your baby like a dog“ zu erfinden. Es ist ein Plädoyer dafür, sich bewusst zu machen, dass die Aufnahme eines Welpen als neues Familienmitglied viel mehr Zeit und Zuwendung und Geduld erfordert, als viele vorher ahnen.)

Des Pudels Kern ist schwerhörig

Neulich spazierte Daria mit ihrem Herrl über den Hausberg, was sie über alle Maßen schätzt – wohl auch deshalb, weil es nur am Wochenende der Fall ist, während ich für alle Tage gut bin. Meine Theorie dazu: Allein schon ihr Stolz auf die fesche männliche Begleitung (deutlich erkennbar an ihrem Prachtgalopp) hält sie ab, Fährten zu folgen oder abzuhauen. Daria folgt ihrem Traummann aufs Wort.

Er hingegen ist der Ansicht, die Disziplin beruhe auf jahrelangem Training, ambitioniertem Theoriestudium seinerseits sowie unermüdlicher Vertrauensbildung – und nicht auf Darias Angst, der Mann, der ständig in ein ihr nicht näher bekanntes „Büro“ abhaut, könnte weg sein, wenn sie ihn aus den Augen lässt. Neulich also treffen die beiden ein Paar mit einem – in Erziehungsfragen offensichtlich auch schwerhörigen – Pudel. Die Frau ruft: „Ein Beagle ohne Leine! Und er folgt! Wie haben Sie das geschafft?“

Darauf Darias Herrl, seinerseits im Prachtgalopp vorbeilaufend: „Durch konsequentes Training!“ Die Frau fragt: „Wie alt ist der Beagle?“ – „Zehneinhalb“, erwidert Herr Herrl. „Und wie lang haben Sie trainiert?“, fragt die Frau. – „Zehn Jahre“, ruft Darias Herrl und folgt rasch seinem Hund. Er weiß‚ dass Daria jede Ablenkung spürt und ihre Chance wittert abzuhauen. Die Blöße gibt er sich nicht. Im Augenwinkel sieht er noch den Mann der Frau schmunzeln, den Pudel angeblich auch.

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